Montag, Februar 08, 2010

Rosa macht ruhig

Tages Anzeiger Magazin
05.02.2010 von Ursula Eichenberger
Rosa macht ruhig

Nach fünfzehn Minuten in einer pinken Zelle werden aus aggressiven Insassen umgängliche Menschen. Besuch in der europaweit einzigen Haftanstalt mit rosa Zellen in Pfäffikon

Wer hier inhaftiert ist, muss verrückt werden, denkt man beim ersten Blick in Zelle Nummer 301. Und erinnert sich sofort an Marzipanschweinchen, Himbeersorbet oder an Ballettkleider kleiner Mädchen. Der Boden pink, die Decke pink, die Wände pink, der doppelte Maschendraht vor dem verriegelten Fenster pink, die Lüftungsabdeckung pink und ebenso der Stahlring, der im Notfall zum Einklicken der Handschellen renitenter Häftlinge vorgesehen ist. Die Einfarbigkeit des Betonraums mit einer Grundfläche von drei auf vier Metern wird nur in der Ecke links neben der schweren rosafarbenen Tür vom glänzenden Stahl einer Hocktoilette unterbrochen.

Zelle 301 in der Sicherheitsabteilung des Gefängnisses Pfäffikon ZH ist für besonders aggressive Häftlinge vorgesehen, «für Insassen mit einem hohen Mass an Gewaltbereitschaft, mit einem extremen Fluchtrisiko oder mit schweren psychischen Störungen», wie Gefängnisleiter René Meier erklärt. In dieser schweizweit einzigartigen Abteilung eines....



Tages Anzeiger Magazin
05.02.2010 von Ursula Eichenberger
Rosa macht ruhig

Nach fünfzehn Minuten in einer pinken Zelle werden aus aggressiven Insassen umgängliche Menschen. Besuch in der europaweit einzigen Haftanstalt mit rosa Zellen in Pfäffikon

Wer hier inhaftiert ist, muss verrückt werden, denkt man beim ersten Blick in Zelle Nummer 301. Und erinnert sich sofort an Marzipanschweinchen, Himbeersorbet oder an Ballettkleider kleiner Mädchen. Der Boden pink, die Decke pink, die Wände pink, der doppelte Maschendraht vor dem verriegelten Fenster pink, die Lüftungsabdeckung pink und ebenso der Stahlring, der im Notfall zum Einklicken der Handschellen renitenter Häftlinge vorgesehen ist. Die Einfarbigkeit des Betonraums mit einer Grundfläche von drei auf vier Metern wird nur in der Ecke links neben der schweren rosafarbenen Tür vom glänzenden Stahl einer Hocktoilette unterbrochen.

Zelle 301 in der Sicherheitsabteilung des Gefängnisses Pfäffikon ZH ist für besonders aggressive Häftlinge vorgesehen, «für Insassen mit einem hohen Mass an Gewaltbereitschaft, mit einem extremen Fluchtrisiko oder mit schweren psychischen Störungen», wie Gefängnisleiter René Meier erklärt. In dieser schweizweit einzigartigen Abteilung eines Untersuchungsgefängnisses sucht man vergebens nach beweglichen Teilen, und die schweren Doppeltüren werden erst dann geöffnet, wenn dahinter eine Gruppe von drei Aufsehern bereitsteht.

Die Insassen betreten die Zelle nur in T-Shirt und Hose; im extremsten Fall werden sie zu ihrem Selbstschutz in Handschellen gelegt, an der Öse wenige Zentimeter über dem Boden festgemacht und unter Beobachtung eines Aufsehers gestellt. «Dann bleibt nur noch, mit dem Kopf gegen die Wand zu schlagen, was mit Schaumgummi verhindert werden kann», erklärt René Meier. «Ansonsten ist es vollkommen unmöglich, in dieser Zelle etwas zu beschädigen oder aber sich selbst zu verletzen.» Die ehemalige Deckenbeleuchtung wurde abmontiert, der Raum wird durch eine Lichtquelle erhellt, die sich zwischen den beiden schweren Zellentüren befindet. Die Spülung für die Toilette und ein kleiner Wasserhahn sind in die Zellenwand eingelassen. Wer sich beruhigt, bekommt eine unzerreissbare Matratze und eine Wolldecke nachgeliefert.

Mehr als fünf Tage verbringt niemand in Zelle 301. Die meisten Aufenthalte sind aber deutlich kürzer, «denn hier drin beruhigen sich alle sehr schnell», sagt René Meier. «Wir haben mit dem Cool Down Pink in den letzten zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht.» Nie sei es in dieser Zeit zu Aggressionen gegen Aufseher gekommen, wenn diese die kleine Klappe öffnen und das Tablett mit Essen in die Zelle schieben; nie zu einem Angriff auf das Betreuungspersonal, wenn sie die Insassen zum Duschen abholen; und weder Boden noch Wände seien jemals mit Fäkalien beschmutzt worden, «wie dies bei uns sonst sehr oft der Fall ist», sagt Meier.

Ruhe nach einem Tag
Während Zelle 301 durchschnittlich einmal pro Monat belegt wird, ist der zweite rosa Raum in Pfäffikon häufiger besetzt. Zelle 303 verfügt über einen etwas komfortableren Standard: Die Matratze liegt auf einem massiven Betongestell, es gibt ein Waschbecken, eine Toilette aus Chromstahl, und je nach Benehmen der Insassen können Fernseher oder Radio nachgeliefert werden. Raum 303 wird als Eintrittszelle in den Sicherheitstrakt genutzt.

«Die meisten, die hierhin versetzt werden, sind zu Beginn aggressiv. Nach spätestens einem Tag in der rosa Zelle ist Ruhe», sagt der Gefängnisleiter. Im ersten Moment reagierten die Häftlinge verdutzt, wenn sie die Farbe im Zelleninnern entdeckten. «Ich hier rein? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Ich bin doch kein Mädchen und auch nicht schwul» — solche Aussagen bekommt Meier immer wieder zu hören. Das anfängliche Erstaunen wandle sich aber stets innert weniger Minuten. Nach zwei bis drei Wochen zügeln die Insassen in die üblichen Zellen. Wie lange die Wirkung der rosa Farbe anhält, kann Meier nicht sagen: «Dazu haben wir keine Studien.» Mit Sicherheit aber so lange, wie sich die Person in der pinken Zelle aufhält.

Von einer anhaltenden Wirkung über eine weitere halbe Stunde berichtet hingegen der Wissenschaftler Alexander Schauss. Der ehemalige Direktor des American Institute for Biosocial Research in Washington beobachtete bereits vor dreissig Jahren, dass randalierende Gefängnisinsassen beim Anblick der Farbe Pink innert einer Viertelstunde ruhig wurden («Magazin» 17/2007). Daraufhin experimentierte er so lange mit dem Farbkomponentenverhältnis, bis er einen Ton gemischt hatte, der in Fachkreisen heute unter dem Namen Baker Miller Pink bekannt ist. 1979 überzeugte Schauss den Kommandanten Miller und den Aufseher Baker im US Naval Correctional Center in Seattle, eine ihrer Eintrittszellen in besagtem Pink zu übermalen. Nach 156 Tagen rapportierten Baker und Miller ans US Navy’s Bureau of Naval Personnel, Law Enforcement and Corrections Division in Washington: «Seit Einführung dieser Massnahme stellten wir keinen einzigen Fall von Fehlverhalten oder Gewaltanwendung fest.» Kurz darauf beschrieb Alexander Schauss die Wirkung an einem internationalen Kongress in San Diego mit folgenden Worten: «Selbst wenn eine Person absichtlich versucht, in der Gegenwart von Rosa böse oder aggressiv zu sein, kann sie es nicht. Die Herzmuskeln können nicht schnell genug schlagen. Es ist eine stark beruhigende Farbe, welche die Energie abzieht. Sogar Farbenblinde können in rosaroten Räumen ruhig gestellt werden.»

Neben Alexander Schauss belegte auch der bekannte amerikanische Fotobiologe John N. Ott Ende der Siebzigerjahre in einer Studie die beruhigende Wirkung von dieser Farbe: Das Betrachten einer rosa Tafel beeinflusste seine Probanden derart stark, dass sie Gewichte nicht mehr zu stemmen vermochten, die sie zuvor mühelos gehoben hatten. Seither sprechen zahlreiche Untersuchungen vom «nicht medikamentösen, beruhigenden Effekt» des Baker Miller Pink, das heute vor allem in Amerika zum Einsatz kommt: sei es an Schulen für hyperaktive Kinder, im Strafvollzug, in psychiatrischen Kliniken oder zur Beruhigung von Patienten mit Nervenerkrankungen. 1998 pinselte das Fussballteam der Universität von Iowa die Umkleidekabinen ihrer Gegner rosa. Die Wirkung muss frappant gewesen sein: Kurz darauf erliess die Western Athletic Associaton ein Gesetz mit der Vorschrift, in Sportanlagen müssten alle Umkleidekabinen im gleichen Farbton gestrichen sein.

Pinsel in der Hand
In Europa konnte sich die präventive und therapeutische Verwendung der Farbe Rosa indes nicht durchsetzen. Das Gefängnis Pfäffikon ist die einzige Haftanstalt auf dem Kontinent, in der Baker Miller Pink eingesetzt wird. Und bisher sind auch in der Schweiz keine Nachahmer in Sicht: Weder Marianne Heimoz, Direktorin des Berner Frauengefängnisses Hindelbank und Präsidentin der Fachgruppe Vollzugsanstalten der Schweiz, noch Ernst Scheiben, Direktor der Haftanstalt Frauenfeld und Präsident der Fachgruppe Gefängnisse Schweiz, wissen von entsprechenden Diskussionen oder Vorstössen. Auch andere Vertreter im Strafvollzug spitzen beim Thema rosa Zellen zwar interessiert die Ohren, lassen jedoch verlauten, dass gegenwärtig andere Probleme und Fragen zentraler sind: etwa jene zu Überbelegungen oder zur Sicherheit. Der Justizvollzug liegt in der Schweiz in der Kompetenz der Kantone, und «deshalb wird bisher nur kantonsintern über unsere pinken Zellen diskutiert», erklärt René Meier die Situation. «Und weil innerhalb des Kantons Zürich renitente Häftlinge ohnehin zu uns nach Pfäffikon kommen, benötigen die anderen Gefängnisse auch keine pinken Zellen.»

Doch wie ist die Idee überhaupt nach Pfäffikon gekommen? Das liegt an einem Aufseher, der die Sache im Jahr 2006 ins Rollen brachte. Der ausgebildete Maler verfasste damals eine Projektarbeit zum Thema «Farbe und Psyche: Einfluss farblicher Gestaltung im Gefängnis auf das Wohlbefinden von Insassen». Bei seinen Recherchen war er auf die Untersuchungen von Alexander Schauss gestossen und erzählte dem Gefängnisleiter begeistert von den Erfahrungen in Amerika. Kurz darauf hielt der Aufseher einen Pinsel in der Hand und begann zwei Hochsicherheitszellen umzumalen.
Wer weiss, vielleicht haben die Maler auch in anderen Schweizer Gefängnissen bald viel zu tun.

Ursula Eichenberger ist Mitglied des Medienateliers kontrast in Zürich.

Sonntag, Februar 07, 2010

Music: Pat Metheny Group

Minuano 2003


Last Train Home 1987


Slip away 1989


http://de.wikipedia.org/wiki/Pat_Metheny
http://en.wikipedia.org/wiki/Pat_Metheny

Samstag, Februar 06, 2010

Freitag, Februar 05, 2010

Der Wahn des positiven Denkens


Tages Anzeiger Online
Der Wahn des positiven Denkens
Von Bettina Weber.

Optimismus ist gut. Man kann es aber auch übertreiben. Die amerikanische Journalistin Barbara Ehrenreich beschreibt in einem klugen Buch, wie Amerika unter dem Zwang zum positiven Denken verblödet.

Barbara Ehrenreich, 68, studierte Physik und Mikrobiologie und arbeitete danach als Journalistin. Wie Günter Wallraff erkundete sie undercover die Arbeitswelt der USA («Nickel and Dimed») und die Ausbeutung von Frauen («Global Woman: Nannies, Maids, and Sex Workers in the New Economy»). Ihre Bücher erregten grosses Aufsehen. Einige Titel erschienen auch auf Deutsch («Qualifiziert und arbeitslos», «Arbeit poor», beide bei Kunstmann). Daneben schreibt sie in wichtigen amerikanischen Zeitungen und Magazinen («Time», «New York Times»).

Als Barbara Ehrenreich vor neun Jahren ihre Brustkrebsdiagnose erhielt, ging sie damit einigermassen pragmatisch um. Als Doktorin der Biologie verstand sie die medizinischen Zusammenhänge und auch, wie die Behandlung wirken würde; Angst hatte sie trotzdem, verständlicherweise. Sie suchte Informationen im Netz. Fand zahlreiche Blogs von Betroffenen. Und begann, Fragen zu stellen, zur Operation, zum Haarausfall, zu den Schmerzen. Zu ihrer Verblüffung erhielt sie den Rat, schleunigst....


Tages Anzeiger Online
Leben
Der Wahn des positiven Denkens
Von Bettina Weber.

Optimismus ist gut. Man kann es aber auch übertreiben. Die amerikanische Journalistin Barbara Ehrenreich beschreibt in einem klugen Buch, wie Amerika unter dem Zwang zum positiven Denken verblödet.

Als Barbara Ehrenreich vor neun Jahren ihre Brustkrebsdiagnose erhielt, ging sie damit einigermassen pragmatisch um. Als Doktorin der Biologie verstand sie die medizinischen Zusammenhänge und auch, wie die Behandlung wirken würde; Angst hatte sie trotzdem, verständlicherweise. Sie suchte Informationen im Netz. Fand zahlreiche Blogs von Betroffenen. Und begann, Fragen zu stellen, zur Operation, zum Haarausfall, zu den Schmerzen. Zu ihrer Verblüffung erhielt sie den Rat, schleunigst einen Therapeuten aufzusuchen: Mit so einer negativen Haltung, hiess es unisono, habe sie keine Chance, gesund zu werden. Sie müsse dringend an ihrer Einstellung arbeiten. Positiv müsse die sein, p-o-s-i-t-i-v! Und sie selbst müsse den Krebs als eine wunderbare Möglichkeit erkennen, sich persönlich und spirituell weiterzuentwickeln.

Ehrenreich konnte ihrer Krankheit beim besten Willen nichts Positives abgewinnen, sie empfand sie als ungerecht, war wütend. Aber sie konnte nirgendwohin mit ihrem Zorn, Empfindungen dieser Art, schien es, hatte man sich in ihrem Land abgewöhnt. Sie erinnerte sich, dass auch Lance Armstrong in einer völligen Selbstverständlichkeit einst gesagt hatte: «Der Krebs ist das Beste, was mir in meinem Leben je passiert ist.» Sie begriff: Hier ging es nicht darum, tapfer zu sein, und schon gar nicht um eine gesunde Portion Optimismus, sondern um den Glauben, kraft positiven Denkens dem Krebs den Garaus machen zu können. Um eine Haltung, die zu einem kollektiven Wahn geworden war und die da lautet: Alles ist möglich, man muss nur fest genug wollen. Man muss nur genug positiv sein.

Angst vor negativen Gefühlen

Barbara Ehrenreich ist keine verbitterte, humorlose Frau. Sie findet es gut, wenn Menschen glücklich sind. Und sie anerkennt durchaus, wie wichtig die Befreiung vom strengen, nach heutigem Verständnis «negativen» Calvinismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts war, als die Menschen nicht mehr länger einen immer strafenden Gott fürchten mussten. Das Glück liegt in dir selbst, versprach dieser neue Ansatz. Er wirkte befreiend, weil er die Amerikaner tatkräftig machte, weil dadurch diese «Let's do it»-Mentalität entstand, neben der Europa immer etwas zaudernd wirkte.

Die begrüssenswerte Entwicklung ist aber längst aus dem Ruder gelaufen. Ehrenreich sieht im positiven Denken heute ein System, das den Menschen eben gerade nicht glücklich macht, sondern vielmehr unter Druck setzt. Gerade im Krankheitsfall wird dies zur zusätzlichen Belastung. In ihrem Buch «Smile or Die» berichtet sie von Patienten, die, angeschlagen und gezeichnet, so sehr darum bemüht sind, positiv zu sein, dass die Angst vor negativen Gefühlen grösser war als vor der Krankheit an sich. Wenn sie einen Rückfall erleiden, trotz allen positiven Denkens, kommen Schuldgefühle dazu, fühlen sie sich als Versager. Weil sie nicht genug fest gewollt haben. Ganz die Wissenschaftlerin, die sie vor ihrer journalistischen Karriere war, zitiert Ehrenreich an dieser Stelle aus zahlreichen Studien, nach denen noch nie ein günstiger Effekt des positiven Denkens auf eine Krankheit wie Krebs nachzuweisen war.

Motivation wohin man schaut

Und sie holt aus, zu einem bitterbösen Rundumschlag, der zeigt, wie sehr das positive Denken längst alle Bereiche des amerikanischen Lebens beherrscht, nicht nur dann, wenn es um schwere Krankheiten geht: immer nur das Positive sehen, selbst dann, wenn das Glas nicht nur leer ist, sondern längst zerbrochen am Boden liegt. Die Folgen dieses «always look on the bright side» sind überall spürbar, bis hin zur Finanzwelt, und Ehrenreich liefert Beispiele zuhauf; bisweilen sind sie so bizarr, dass man als Europäer zutiefst dankbar ist, dass bei uns die milliardenschwere Daumen-hoch-Industrie von Motivationsseminaren, -trainern, -büchern und -CDs nie so richtig Fuss fassen konnte. Dennoch sind auch wir nicht verschont geblieben, vor allem in der globalisierten Wirtschaftswelt nicht, wo Angestellten auch in der Schweiz schon mal gesagt wird, sie sollen ihre Entlassung als «Chance» betrachten.

Und ebenda begann es ja auch aus dem Ruder zu laufen, das positive Denken, in der Arbeitswelt der Achtziger, als man in den USA den Angestellten Entlassungen quasi als Geschenk verkaufte, als Möglichkeit, persönlich weiterzukommen. Die Strategie eignete sich perfekt, um Kritik oder gar Protest im Keim zu ersticken, man präsentierte den Leuten einfach schlechte Nachrichten als gute. Und viele Amerikaner mochten gerne daran glauben. Bücher von Betroffenen mit Titeln wie «Wir wurden entlassen, und es war das Beste, was uns je passiert ist» zeugten davon; die Entlassenen spielten das Spiel mit, als dankbare Handlanger derer, die sie manipulierten.

Kritische Haltung ist verpönt

Barbara Ehrenreich fragt: Wie soll der blosse Vorgang des positiven Denkens eine bestimmte Tatsache verändern können? Da habe sich ein Land ein Mantra zusammengeschustert, das dem Aberglauben gefährlich nahekomme.

Und sie sagt: Dieses Land muss wieder begreifen, dass das Gegenteil des positiven Denkens nicht Pessimismus ist. Sondern die Fähigkeit, Situationen realistisch einzuschätzen und kritisch zu hinterfragen. Dies ist aber mittlerweile derart verpönt, dass allein «negativ sein» ein Kündigungsgrund sein kann. Wobei dieses «negativ sein» schlicht darin bestehen kann, zu viele Fragen zu stellen und damit unangenehm zu sein.

Die Realität wird ausgeblendet


Hier zieht Ehrenreich einen etwas gewagten Schluss: Sie führt aus, wie positives Denken beziehungsweise dessen groteske Auswüchse unter anderem den Finanzkollaps überhaupt erst ermöglicht hätten. Wer kritisch nachfragte, gewisse Handlungen hinterfragte, am Erfolg zweifelte, Risiken als zu hoch einschätzte, der hatte «a negative attitude». Und das mochte man gar nicht, die Leute wurden entlassen oder mundtot gemacht.

Das mag nun eine etwas einseitige Betrachtungsweise sein, allein, was sie damit sagen will, ist klar: Wenn positives Denken zur Folge hat, dass Unangenehmes nicht mehr thematisiert werden darf, weil damit die kollektive Harmonie gestört wird, dann ist das nicht positiv und nicht gut. Es führt dazu, dass die Realität ausgeblendet wird, dass man sich eine eigene, harmlose Welt zusammenzimmert. Probleme werden so keine gelöst. Und das, sagt Ehrenreich, kann sich Amerika nicht leisten.

Barbara Ehrenreich: Smile or Die. How Positive Thinking Fooled America & the World. Granta Publications, London 2009. 235 S., ca. 28 Fr.

Erstellt: 04.02.2010, 04:00 Uhr

Donnerstag, Februar 04, 2010

Russia comes to the rescue as Norwegian gas supplies to Britain falter

Russia comes to the rescue as Norwegian gas supplies to Britain falter

Energy users' watchdog says UK lucky to escape gas shortages

Russia rescued British energy consumers by ensuring a steady flow of gas into the power network as supplies from Norway faltered during the cold weather, industry customers users said today.

As the National Grid warned of a "high" possibility of shortages in the north-east and south-west owing to another cold snap, the Major Energy Users' Council said Britain had been lucky to survive without shortages. Eddie Proffitt, chairman of the council's gas group, said: "The [British] gas industry has coped very well but we have been lucky. It would have been desperate if we had seen the kind of disputes between Russia and Ukraine that have reduced gas flows on the continent in the past two or three Januaries."

Politicians said four "gas balancing alerts" – warnings of pending shortages – in the space of a week meant it was time Britain reviewed its whole energy policy.

"This winter has shown the system we have devised does not....



Russia comes to the rescue as Norwegian gas supplies to Britain falter

Energy users' watchdog says UK lucky to escape gas shortages

Russia rescued British energy consumers by ensuring a steady flow of gas into the power network as supplies from Norway faltered during the cold weather, industry customers users said today.

As the National Grid warned of a "high" possibility of shortages in the north-east and south-west owing to another cold snap, the Major Energy Users' Council said Britain had been lucky to survive without shortages. Eddie Proffitt, chairman of the council's gas group, said: "The [British] gas industry has coped very well but we have been lucky. It would have been desperate if we had seen the kind of disputes between Russia and Ukraine that have reduced gas flows on the continent in the past two or three Januaries."

Politicians said four "gas balancing alerts" – warnings of pending shortages – in the space of a week meant it was time Britain reviewed its whole energy policy.

"This winter has shown the system we have devised does not have the resilience it should have. It runs on a 'just-in-time' principle which has economic benefits when it works but risks ending up in a 'just-too-late' if all goes wrong," said John Hemming, MP for Birmingham Yardley.

"If the Russians had hit the kind of problems with its neighbours seen in previous years then we would have toppled off the knife edge we have been sitting on with our gas supplies."

The disruptions to supplies from Norway – normally seen as highly reliable – left Britain importing gas through the interconnector pipeline which runs from Zeebrugge in Belgium to Bacton in north Norfolk. In previous years shortages from Siberia have led German and Dutch suppliers to halt gas exports to Britain.

The National Grid admitted that much of the stress in the gas supply system had been caused by technical problems on Norwegian fields such as Ormen Lange and Troll but said everything was back to normal. A Grid spokeswoman insisted the gas alerts had worked as they were expected to: drawing new supplies from other sources, such as liquefied natural gas on board vessels and the continent. She declined to comment on what would have happened if Russian gas had not been flowing normally.

The Major Energy Users' Council also had serious concerns that changes to the regulatory regime next year could make the situation worse. Proffitt said there were 1,250 customers around Britain on "interruptible" gas contracts, but this number would fall to 27 by October 2011 when new Ofgem regulations come into force. "Some of our members are very concerned about this because they fear a supply shortage could lead to demands that sites lose their gas. Many of those who choose to have interruptible contracts have back-up power sources such as diesel-fired generators," he said.

Nearly 100 customers had their power cut at one stage last week, including the Vauxhall car plant at Ellesmere Port on Merseyside. National Grid said none were cut off today though its website earlier in the day had said that there was a high risk of interruptions in the north-east and south-west. This eased off later.

http://www.guardian.co.uk/business/2010/jan/13/russia-aids-gas-uk-gas-supply

Mittwoch, Februar 03, 2010

Peaking Oil Supply - Quotes

Peak Oil Quotes
Statements by key individuals


2010

Thierry Desmarest, Chairman of the Board at Total SA, January 28th, 2010 - "The problem of peak oil remains. We have always been relatively prudent in our assessment of a peak oil date in Total between, I would say, the International Energy Agency which was extremely optimistic a few years ago - a bit less today - and some so called experts who were announcing that the peak oil has already taken place. In our opinion it will be very difficult to raise the oil production above 95 million barrels/day, which is something like 10% above today's level - so its not enormous. Its not that we lack reserves, there are plenty of oil to produced but a lot of it is difficult to be produced. Huge resources like the Athabasca oil sands for instance - when you look to the newsflow of the last 2 or 3 years you have just seen a lot of postponements of projects, not that much because of lack of profitability of projects but also with environmental concerns, as an example among others. So I think we must keep in mind that in a few years from now the market may be in a relatively difficult position in, the energy security concerning oil (because I think for gas we have certainly more time), will be a big problem."

2009

Andrew Sentance, member of the Bank of England's Monetary Policy Committee, September 2009 - "On the energy front, I can see substantial upside risks to prices over the coming recovery as demand picks up across the global economy and Asia plays a leading role in the growth of the world economy. Against the background of supply constraints, this creates the potential for continuing price volatility. I do not see supply developments and environmental policy moves changing the energy price environment which became established in the mid-2000s until much later in the next decade."

Iain Reid, Head of European Oil and Gas research at Macquarie Bank, September 2009 - “This is our view – capacity has pretty much peaked in the sense that declines equal new resources,”

Christophe de Margerie, CEO of Total, September 2009 - "We are running the risk of another oil crisis when demand outstrips supply around 2014 or 2015. There won’t be enough oil and gas by the middle of the next decade."

Fatih Birol, Chief Economist of the International Energy Agency, August 2009 - "Many governments now are more and more aware that at least the day of cheap and easy oil is over... [however] I'm not very optimistic about governments being aware of the difficulties we may face in the oil supply,"

Vince Cable, Lib Dem Shadow Chancellor of the Exchequer, June 2009 - "Long-term thinking is difficult in the current political crisis, when most politicians are obsessed by tomorrow's headlines,...but our future as a country depends much more on our ability to plan ahead for the next oil shock and the post-oil world."

Andris Piebalgs, EU Energy Commissioner, May 2009 "The current relatively low oil prices give a respite to prepare for the coming new oil crisis. We have to reduce our dependency in all those areas in which black gold is not indispensable... And in all sectors, we have to accelerate our efficiency being aware that every barrel of oil that we are using is one of the last."

Christophe de Margerie , CEO Total, February 2009 The world will never be able to produce more than 89m barrels a day of oil, the head of Europe's third-largest energy group has warned, citing high costs in areas such as Canada and political restrictions in countries such as Iran and Iraq. Christophe de Margerie, chief executive of Total, the French oil and gas company, said he had revised his forecast for 2015 oil production downward by at least 4m barrels a day because of the current economic crisis and the collapse in oil prices.

2008

Katsuaki Watanabe, President, Toyota– June 2008 "Our view is that oil production will peak in the near future. We need to develop power train(s) for alternative energy sources."

T. Boone Pickens, Chair BP Capital Management hedge fund – 17th June 2008 "I do believe we have peaked out at 85 million barrels a day globally,"

Shokri Ghanem – head of Libya's National Oil Corporation, 8th June 2008 “The easy, cheap oil is over. Peak oil is looming”

Jeroen van de Veer – CEO of Shell, 22nd January 2008 “Shell estimates that after 2015 supplies of easy-to-access oil and gas will no longer keep up with demand.”

Rick Wagoner - ex GM Chairman and Chief Exec, at the Detroit Motor Show, 13th January, 2008 "There is no doubt demand for oil is outpacing supply at a rapid pace, and has been for some time now,...As a business necessity and an obligation to society we need to develop alternative sources of propulsion."

Dave O’Reilly - Chevron, 15th February 2008, "We're seeing the beginnings of a bidding war for Middle Eastern oil between east and west,"

Fatih Birol - IEA, writing in The Independent 2nd March 2008 – “We are on the brink of a new energy order. Over the next few decades, our reserves of oil will start to run out and it is imperative that governments in both producing and consuming nations prepare now for that time. We should not cling to crude down to the last drop – we should leave oil before it leaves us. That means new approaches must be found soon..... The really important thing is that even though we are not yet running out of oil, we are running out of time.”

George W. Bush, March 5th 2008 "We gotta get off oil, American has got to change its habits,".. "It should be obvious to all, demand has outstripped supply, which makes prices go up."

James W. Buckee -Retired President and CEO of Talisman Energy Inc., 29th January 2008. "If you think that at the moment the world is consuming 30-plus billion barrels a year of oil and is finding seven or eight billion barrels a year, and this state of affairs has been going on now for 20 or more years. "It's obviously unsustainable and the world is increasingly drawing on the bigger, older fields. You couple that notion with the irreversibility of decline and you've got a very alarming picture."

Jeremy Leggett and Shell - Advertisement appeared in Time Europe Edition, one of the CNN Principal Voices series, 31st March 2008 “A premature topping point in global oil production would wipe out economic plans currently on offer in boardrooms and finance ministries around the world. This is because such plans assume growing supplies of affordable oil for several decades to come.“

2007

Sadad al-Huseini - former head of exploration and production at Saudi Aramco, 31st October, 2007 “The evidence is that in spite of the increases - very large increases - in oil prices over the last four years, we haven't been able to match that with increasing capacity. So, essentially, we are on a plateau.”

Christophe de Margerie - CEO Total, 30/31st October 2007. "100m barrels per day is now in my view an optimistic case…"

Fatih Birol - IEA, interviewed in Le Monde, June 2007 “From now to 2015, the market and the oil industry will be severely tested. In the next five to ten years, oil production from non-OPEC producers will reach a peak before starting to decline, for lack of sufficient reserves. As each day passes, new evidence of this fact appears. At the same time the peak of the economic expansion phase of China will take place. The two events will coincide: the explosion of the growth of the Chinese demand, and the fall in production of non-OPEC oil. Will our oil system be it able to answer this challenge, that is the question.” “If production does not increase in Iraq in an exponential way between now and 2015, we have a very big problem, even if Saudi Arabia meets its obligations. The figures are very simple, you do not need to be an expert. It is enough to know how to do a subtraction. China will grow very quickly, India also, and even Saudi Arabia projections of the 3 Mb/day will not be enough to meet the rise of Chinese demand.”

Lord Oxburgh- former CEO of Shell, September 2007 “...you’ve got three main variables: rising world demand, and it’s a bit hard to predict exactly how fast that is going to rise; how much oil is going to be available; and how fast substitutes for oil come to market (synthetic fuels can be made in quite a number of ways). But all of that said I don’t think this is going to happen in the next five years, and I would be surprised if the difficulties ahead had not really emerged within the next twenty.”

“The message in short is that we are just about to enter hot water, quite serious hot water. And the danger is that we sit there blissfully like the frog in the pan of water gently heating on the stove until – as the Irish would say – it wakes up to find itself dead. In other words we may be sleepwalking into a problem which is actually going to be very serious and that it may be too late to do anything about it by the time we are fully aware.”

2005

Dr. James Schlesinger - former US Energy Secretary, 16th November 2005 “In the longer run, unless we take serious steps to prepare for the day that we can no longer increase production of conventional oil, we are faced with the possibility of a major economic shock—and the political unrest that would ensue.”

Dave O’Reilly - CEO, Chevron in their Real Issues Ad, 12th July 2005 “Energy will be one of the defining issues of this century. One thing is clear: the era of easy oil is over. What we all do next will determine How well we meet the energy needs of the entire world in this century and beyond.” “It took us 125 years to use the first trillion barrels of oil. We’ll use the next trillion in 30.“

References from the press

2008

The Independent Lead Article, 28th April 2008 “In the broader context, this crisis must be seen as part of the global energy squeeze. It has been clear for some time that global demand for oil has been outstripping supply. That is what is pushing up prices around the world. That a relatively minor industrial dispute such as this can have such a knock-on effect demonstrates how dependent Britain is on a relatively small number of supply outlets. The Grangemouth dispute will eventually, no doubt, be settled, but the chronic crisis of our economy's total reliance on environmentally damaging and dwindling oil supplies will continue.”

Financial Times Lead Article, 17th April 2008 “Preparing for the age of peak oil - Russia's vast oil and gas reserves were seen not so long ago as the best hope of meeting growing world energy demand. No more. This week a top Russian oil executive echoed earlier official warnings that oil production could fall for the first time in a decade.”

2007


Independent, 17th September 2007 “Oil Industry ‘Sleepwalking into crisis’ - Former Shell chairman says that diminishing resources could push price of crude to $150 a barrel’

CNNMoney.com – 7th August 2007 “Why oil won't hit $100 - New production, new energy sources and some conservation could push down prices by 2010 - but don't expect $20 a barrel anytime soon.”

William Rees Mogg, The Times, 16th July 2007 “Oil ruled the 20th century; the shortage of oil will rule the 21st. There is now no doubt about the rising trend of oil prices.”

Financial Times, 10th July 2007 “World will face oil crunch in five years – IEA says supply falling faster than expected.”

Quelle: http://odac-info.org/peak-oil-quotes

Dienstag, Februar 02, 2010

Im Sumpf der Sprache

1. Februar 2010, Neue Zürcher Zeitung
Im Sumpf der Sprache
Die Fachterminologie im Bildungswesen ist oft so abstrakt und abgehoben, dass niemand mehr weiss, was gemeint ist

Die Sprache, die im Bildungswesen verwendet wird, zeichnet sich aus durch komplizierte und gestelzte Formulierungen. Der Wunsch nach Entschlackung wird laut – auch von Lehrerseite.

Sabine Windlin

Nur Banausen glauben, der Lehrplan 21 – das derzeitige Grossprojekt der deutschsprachigen Kantone – vereinheitliche Ziele und Inhalte der Volksschule. Bildungsexperten belehren uns eines Besseren: «Er bietet Grundlage für Koordination und Entwicklung förderdiagnostischer (sic!) Instrumente sowie für die Bereitstellung zeitgemässer Formen der Dokumentation des individuellen Könnens.» Warum einfach, wenn es kompliziert auch geht?.....


1. Februar 2010, Neue Zürcher Zeitung
Im Sumpf der Sprache
Die Fachterminologie im Bildungswesen ist oft so abstrakt und abgehoben, dass niemand mehr weiss, was gemeint ist

Die Sprache, die im Bildungswesen verwendet wird, zeichnet sich aus durch komplizierte und gestelzte Formulierungen. Der Wunsch nach Entschlackung wird laut – auch von Lehrerseite.

Sabine Windlin

Nur Banausen glauben, der Lehrplan 21 – das derzeitige Grossprojekt der deutschsprachigen Kantone – vereinheitliche Ziele und Inhalte der Volksschule. Bildungsexperten belehren uns eines Besseren: «Er bietet Grundlage für Koordination und Entwicklung förderdiagnostischer (sic!) Instrumente sowie für die Bereitstellung zeitgemässer Formen der Dokumentation des individuellen Könnens.» Warum einfach, wenn es kompliziert auch geht?

Formulierungen ohne Leben

Aufgeblasen kommen auch andere Inhalte aus dem Bildungswesen daher. Die Informationen wirken, als würden sie über einen Graben gereicht. Hier der Absender, weit weg der Empfänger, dazwischen ein unverdauliches Konglomerat von aneinandergereihten Substantiven, die irgendwie wichtig und irgendwie wohlwollend klingen, aber wenig sinnvoll sind.

Im Bereich Sekundar- und Mittelschulen ist schweizweit «die Erarbeitung von Massnahmen zur Erreichung des Verlagerungsziels» im Gange. Das Schweizerische Bildungsmonitoring bezweckt die «systematische und auf Dauer angelegte Beschaffung und Aufarbeitung von Informationen über ein Bildungssystem und dessen Umfeld zwecks Rechenschaftslegung». Die Schweizerische Berufsbildung fordert «die Entwicklung von umsetzbaren und nachhaltig wirksamen Massnahmen zur Verbesserung des Übergangs in die Berufswelt sowie die Implementierung der Schnittstelle zwischen Akteuren der Schule und Wirtschaft». Vielleicht verbergen sich hinter diesen Wortsümpfen lauter hervorragende Ideen – wer weiss? Umso tragischer ist es, wenn sie kryptisch bleiben.

Einverstanden, das Bildungswesen ist komplexer geworden, die Schulsysteme sind vielfältiger, die Lehrmethoden variantenreicher, die Strukturen durchlässiger. Aber muss deshalb auch die Sprache gespreizt sein? Steckt hinter diesen obskuren Formulierungen Absicht, Unfähigkeit, oder entsprechen sie ganz einfach dem heutigen Trend? Es mag noch angehen, dass aus Lehrern Lehrpersonen, aus Klassen Regelklassen werden, aber daraus das Wortungetüm «Regelklassenlehrpersonen» – ein gängiger Begriff – zu konstruieren, geht eindeutig zu weit. Von Lehrlingen und Lehrbetrieben war einmal anschaulich die Rede sowie von Gymnasien, Sekundar- und Kantonsschulen. Bildungsfachleute, die etwas auf sich halten, sprechen jedoch heute landauf, landab von «abgebenden und aufnehmenden Systemen». Eine Formulierung ohne Leben, distanziert, neutral, kalt.

Ausgerechnet in einem Sektor, in dem der Mensch, das Kind im Zentrum steht, tönt es abstrakt und abgehoben. Dabei hätten das die Lehrer gar nicht nötig. Ihr Alltag im Klassenzimmer ist anspruchsvoll genug. Der gesellschaftspolitisch definierte Auftrag, Kinder gleichzeitig zu unterrichten, zu erziehen und zu integrieren, sie zu fordern, zu fördern, zu stützten, zu bewerten und zu begleiten, ist ein Kunststück, das wir zu würdigen wissen; auch ohne geblähte Sprache. Was früher Projektwoche hiess, wird heute als «Wahlangebot integrativer Begabungsförderung» verkauft, in dessen Rahmen Viertklässler Ateliers zum Thema «körperlich-kinästhetische Intelligenz» besuchen. Fragt man die Kinder, was sie gemacht hätten, löst sich das Rätsel wie von selbst: gesungen, gehüpft, getanzt. Klingt das zu einfach? Zu kindlich? Zu fröhlich?

Problem Fremdsprachigkeit

Staunend lesen Väter und Mütter in Elternbriefen, dass wieder einmal der Unterricht ausfällt, weil sich die Lehrerschaft in der «Erweiterung und Vertiefung der Methodenkompetenz von Lernenden bezüglich Unterrichtsentwicklung im Rahmen des kantonalen Qualitätsmanagements» weiterbildet. Nicht dass man zu faul wäre, beim Schulamt nachzufragen, was damit gemeint sei. Aber die Bereitschaft, für die zwei schulfreien Tage einen Babysitter aufzubieten, hält sich in Grenzen, wenn nicht einmal klar ist, was die Lehrer eigentlich treiben. Und überhaupt: Verstehen das fremdsprachige Eltern? Oder wird ein solcher Text auch ins Serbische und Albanische übersetzt?

Bereits auf Kindergartenebene kann es nicht umständlich genug klingen: «Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass bei wiederholtem Nichtkooperieren bezüglich Kindergartenregeln gewisse Umsetzungen realisiert werden, die im Einzelfall zur Anwendung kommen», stand wortwörtlich in einem Brief an die Erziehungsberechtigten. Kinder, die unentwegt stören, war dann auf Anfrage zu erfahren, würden vor die Tür gestellt.

Es muss am steten Ringen um exzessive Optimierung im Schulalltag liegen, dass in den gestelzten Formulierungen allem Engagement zum Trotz zwei Tonlagen dominieren: jene der Unbeholfenheit und jene der Verkrampftheit. Anders lässt sich nicht erklären, wie der Schweizerische Lehrerverband im Zusammenhang mit sexuellen Übergriffen von Pädagogen auf Minderjährige deklarierte, dass «das Gebot des unbedingten Respekts vor der menschlichen Würde die zentrale Maxime im Schulalltag sei» – gerade so, als ginge es um eine Neuauflage der Europäischen Menschenrechtskonvention.

Immer häufiger stammen die seelenlosen Begriffe aus der Finanzbranche. Da wie dort geht es um Nachhaltigkeit, Wirksamkeit, Standards, Portfolio, Management und – unvermeidbar – Evaluation beziehungsweise Evaluierung, das unangefochtene Zauberwort im Bildungsjargon. Auf Teufel komm raus wird evaluiert: buchstäblich alles, was den Bildungsmenschen in die Finger gerät, von der «Rahmenstundentafel mit Bandbreiten» über «Deutsch als Interkulturalität» bis zu den «Gelingensbedingungen im Hochschulbereich». Dabei ist praktisch alles entweder kooperativ, integrativ, partizipativ oder – der neuste Hit – separativ. Es wird von «primitive skills» gesprochen, wenn Grundkenntnisse gemeint sind, von «Equity», wenn es um gleiche Chancen geht, und wenn eine Mutter fragt, wie ihr achtjähriger Sohn in der Klasse mitkommt, hakt die Lehrerin nach: «Meinen Sie jetzt die Lernzielüberprüfung in formativer oder in summativer Hinsicht?»

Wunsch nach Entschlackung

Das Problem ist, dass irgendwann irgendwer die unglücklichen Begriffe kreiert hat und diese nun von Angestellten aus Verwaltung und Schule nachgebetet werden, statt dass jemand aufsteht und ruft: «Stopp! Jetzt reden wir Klartext, jetzt möchten wir einmal verstanden werden.» Das würde etwa heissen: nicht «Bereitschaft zur Ausübung von Kompetenz», sondern Freude am Lernen, nicht «Steigerung der Selbstlernanteile und Selbstlernzeiten», sondern mehr Selbständigkeit, nicht «flächendeckender Einsatz von standardisierten Standortbestimmungen», sondern Bestandesaufnahme für alle.

Je länger, je mehr wird der Wunsch nach Entschlackung nämlich auch von den Lehrern selber geäussert – wenn sie nicht mehr wissen, was eigentlich gemeint ist, wenn es heisst, sie sollten «situativ» sowohl «leistungsdifferenzierte Lernangebote» wie auch «binnendifferenzierten Unterricht» gestalten. Dass sich im Laufe der Jahre zur Fachkompetenz die Sozialkompetenz gesellte, ist nachvollziehbar. Seit geraumer Zeit sehen wir uns aber auch mit der Methodenkompetenz, der Lernkompetenz und der Sachkompetenz konfrontiert, die unweigerlich in die «Validierung der Gesamtkompetenz» nach den Grundsätzen von «best practice» münden. Andererseits spenden die Begriffe auch Vertrautheit, denn sie tauchen an Vorträgen, Kursen und Sitzungen immer wieder auf – und umhüllen die Pädagogen wie ein warmes Bad.


Sabine Windlin arbeitet als freie Journalistin und hat ein Kommunikationsmandat bei der Direktion für Bildung und Kultur des Kantons Zug.

Montag, Februar 01, 2010

«Die Wut im Volk ist alarmierend»

Tages Anzeiger Online
«Die Wut im Volk ist alarmierend»
Von Stefan Schnyder. Aktualisiert am 31.01.2010

Robert J. Shiller hat als einer der wenigen Ökonomen vor der Blase auf dem Immobilienmarkt gewarnt. Der US-Starökonom äussert jetzt neue Warnungen. Und er sagt, wie weitere Krisen verhindert werden können.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte an seiner Eröffnungsrede des WEF mehr Regeln für den Kapitalismus. Teilen Sie seine Meinung?
Robert J.Shiller: Es braucht nicht unbedingt mehr, aber bessere Regeln. Die Krise hat gezeigt, dass eine bessere Regulierung nötig ist. Wegen Bankkrisen im 19.Jahrhundert gab es ja vor der Krise eine Regulierung. Aber die Wirtschaft ist seither viel komplexer geworden. Auf der anderen Seite gilt es, in einer Marktwirtschaft die Komplexität möglichst tief zu halten, sodass die Unternehmen durch die Regeln nicht zu stark eingeschränkt werden. Insgesamt habe ich aber grosse Sympathie für Sarkozys Vorschlag, den....



Tages Anzeiger Online
«Die Wut im Volk ist alarmierend»
Von Stefan Schnyder. Aktualisiert am 31.01.2010

Robert J. Shiller hat als einer der wenigen Ökonomen vor der Blase auf dem Immobilienmarkt gewarnt. Der US-Starökonom äussert jetzt neue Warnungen. Und er sagt, wie weitere Krisen verhindert werden können.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy forderte an seiner Eröffnungsrede des WEF mehr Regeln für den Kapitalismus. Teilen Sie seine Meinung?
Robert J.Shiller: Es braucht nicht unbedingt mehr, aber bessere Regeln. Die Krise hat gezeigt, dass eine bessere Regulierung nötig ist. Wegen Bankkrisen im 19.Jahrhundert gab es ja vor der Krise eine Regulierung. Aber die Wirtschaft ist seither viel komplexer geworden. Auf der anderen Seite gilt es, in einer Marktwirtschaft die Komplexität möglichst tief zu halten, sodass die Unternehmen durch die Regeln nicht zu stark eingeschränkt werden. Insgesamt habe ich aber grosse Sympathie für Sarkozys Vorschlag, den Kapitalismus menschlicher zu gestalten.

Ein Regulierungsvorschlag, um künftige Krisen zu vermeiden, lautet, dass die Banken mehr Eigenkapital haben müssen als bisher. Was halten Sie davon?
Die Banken haben vor der Krise mit sehr viel Fremdkapital gearbeitet. Das war ein Problem. Allerdings können strenge Eigenkapitalvorschriften eine Krise zusätzlich verschärfen. Sie können nämlich dazu führen, dass die Banken Kredite kündigen, um die Vorschriften einzuhalten. Dies kann die Krise noch verschlimmern. Eigenkapitalvorschriften müssen also so ausgestaltet werden, dass sie die Negativspirale bremsen.

Wie lässt sich dies erreichen?
Mit einer Gruppe amerikanischer Professoren habe ich einen Vorschlag ausgearbeitet. Dieser sieht vor, dass Banken Fremdkapital aufnehmen müssen, das zu Eigenkapital wird, wenn zwei Voraussetzungen erfüllt sind: Das Eigenkapital muss erstens eine gewisse Schwelle unterschreiten. Und zweitens müssen die Aufsichtsbehörden der Ansicht sein, dass sich die Finanzindustrie in einer Systemkrise befindet.

Ist dieser Vorschlag sozusagen ein Wundermittel, das alle Probleme löst?

Nein. Es gilt weitere Ursachen der Finanzkrise anzugehen. Die Ursache der Krise waren Blasen im Immobilienmarkt, an der Börse oder auf dem Ölmarkt. Zudem haben die Banken in den USA vielen Kunden Hypothekarkredite gewährt, die sie nie hätten bewilligen dürfen.

Doch warum hat niemand vor den Folgen dieser Blasen gewarnt?
Ich habe gewarnt.

Aber niemand hat auf Sie gehört?
Ich gebe ihnen ein Beispiel: Vor der Krise habe ich an einer Konferenz den Finanzchef von Freddie Mac, dem grossen staatlichen US-Hypothekeninstitut, gefragt, welche Krisenszenarien sie durchgerechnet hätten. Seine Antwort war: Unsere pessimistischste Annahme ist ein Rückgang der Immobilienpreise um 13 Prozent. Angesichts der Immobilienpreise, die in diesen Jahren stark angestiegen waren, fragte ich ihn, was denn geschehe, wenn der Preisrückgang stärker sei. Er war überrascht über die Frage. Es schien, als ob ihm niemand diese Frage vorher gestellt hätte. Und dann sagte er: Immobilienpreise sind seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren nie so stark gefallen. Doch im Verlauf der Krise sind die Preise um mehr als das Doppelte dieser 13 Prozent gefallen.

Was zeigt dieses Beispiel?
Die Krise ist entstanden, weil viele Akteure gedacht haben, gewisse Entwicklungen seien undenkbar. Aber sie waren nicht undenkbar. Die Forschung der Verhaltenstheorie hat gezeigt, dass der Mensch die Tendenz hat, gewisse Problemfelder völlig auszublenden. Es ist ein Versagen des menschlichen Denkens. Es stellt sich deshalb die Frage, wie Experten, die vor einer Krise warnen, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erlangen können, wenn der allgemeine Konsens besagt, dass es kein Problem gibt.

Warum hat denn niemand auf Sie gehört? Sie sind ein renommierter Professor.
Ich weiss es auch nicht. Die Antwort war jeweils: Sie sind der Einzige, der das sagt. Meine Aussagen wurden einfach als ein rein akademischer Diskurs wahrgenommen. Und mein Problem war, dass ich in der Boomphase den Beweis nicht antreten konnte, dass wir in einer Blase stecken.

Sind denn Krisen auf Grund des menschlichen Wesens unvermeidbar?
Menschliche Fehler sind unvermeidbar. Aber man kann Systeme bauen, die die Folgen dieser Tatsache beschränken.

Wie beurteilen Sie die Rolle der Aufsichtsbehörden?
Auch die Aufsichtsbehörden haben versagt. Ich habe die US-Behörden in den Jahren 2005/2006 darauf aufmerksam gemacht, dass gewisse Leute Hypothekarkredite erhalten haben, die nie ein solches Darlehen hätten erhalten dürfen. Die Behördenvertreter haben dann angeführt, dass sie für diesen Bereich nicht zuständig seien. In den USA gab es nämlich keine Aufsichtsstelle, welche die regionalen Hypothekarinstitute beaufsichtigte. Die Bankenaufsicht war nur zuständig für die national tätigen Banken. Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Banker mit dem System viel Geld verdienten. Und die Aufsichtsbehörden hätten eingreifen müssen. Doch auch den Behörden fehlte der Beweis, dass sich auf gewissen Märkten tatsächlich eine Blase gebildet hat.

Die Politik fordert nun, dass Boni eingeschränkt werden, um künftige Krisen zu verhindern. Was halten Sie davon?
Wenn ein Unternehmen einem Manager einen Bonus in Aussicht stellt, der auf dem Gewinn oder dem Aktienkurs basiert, dann erhält dieser einen Anreiz zu kurzfristig orientiertem Handeln. Langfristige Probleme werden von den Bonusbezügern ausgeblendet. Das ist ein ernsthaftes Problem. Diese Leute haben einen Anreiz, in Produkte zu investieren, die in neun von zehn Fällen eine hohe Rendite abwerfen, aber im zehnten Fall einen Totalverlust verursachen. Deshalb erachte ich Bonibeschränkungen als richtig.

Vergangene Woche hat US-Präsident Barack Obama Vorschläge gemacht, wie er den Finanzmarkt regulieren will. So plant er, den Eigenhandel der Banken – also den Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung – zu limitieren. Wie beurteilen Sie diesen und seine weiteren Vorschläge?
Wenn der Staat Banken gewissermassen versichert, indem er sie rettet, dann finde ich es richtig, dass der Staat Auflagen macht zum Eigenhandel oder zur Tatsache, ob eine Bank Hedge-Fonds besitzen darf. Das Prinzip des Vorschlags ist also richtig. Ein weiterer Vorschlag ist eine Gebühr von jährlich 0,15 Prozent auf dem Fremdkapital abzüglich der Spareinlagen, die während zehn Jahren zu bezahlen ist. Diese Gebühr scheint mir richtig zu sein, wenn die Banken quasi staatlich versichert sind.

Wo würden Sie zudem den Hebel ansetzen?
Der Finanzmarkt muss demokratisiert werden. Er muss den Bedürfnissen der Menschen besser dienen. In diesem Bereich hat das System in der Krise versagt. In den USA mussten Millionen von Menschen ihr Haus zwangsversteigern lassen. Viele Arbeiter haben ihre Stelle verloren und haben kein Einkommen mehr. Und was tun wir für sie: Wir werfen sie aus ihrem Haus. Es war ja nicht ihr Fehler, dass es so weit gekommen ist. Deshalb schlage ich vor, dass Hausbesitzer, die in Krisenzeiten in finanzielle Schwierigkeiten geraten, besser geschützt werden. Zudem soll man sie nicht mehr so einfach aus ihrem Haus werfen können. Ein entsprechendes Gesetz berät der US-Kongress derzeit.

Dieser Vorschlag scheint Ihnen wichtig zu sein. Warum?

Wir befinden uns an einer Kreuzung. Die Wut in der Bevölkerung ist alarmierend. Es ist eine Wut auf die ganze Wirtschaft und auf beide grossen politischen Parteien. Die Leute beklagen sich immer, dass die Politiker eine schlechte Arbeit machen. Aber jetzt hat dies eine neue Intensität erreicht. Die Vorschläge von Obama sind auch eine Reaktion auf diese Empörung.

Sind Sie optimistisch, dass die Länder die nötigen Regulierungen auch umsetzen werden?
Die Länder befürchten, dass die Banken mit ihren Geschäften dorthin gehen werden, wo die Regeln am wenigsten streng sein werden. Deshalb zögern sie noch mit der Umsetzung. Doch über alles gesehen war die internationale Koordination bislang inspirierend. So sind die G-20-Länder übereingekommen, gewisse Regeln gemeinsam einzuführen. Aber schliesslich werden sie wohl nicht alle Bestimmungen einführen, die man sich wünschen würde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.01.2010, 20:53 Uhr

Samstag, Januar 30, 2010

English Language .... Armstrong and Miller / Mitchell and Webb

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Vegetarianism

Freitag, Januar 29, 2010

Economists start to consider that money can't buy happiness

guardian.co.uk home Sunday 10 January 2010
Economists start to consider that money can't buy happiness

Obsession with GDP as a measure of how good people feel is losing its grip against concerns for welfare and sustainability

Britain has got the shopping habit back: we may only now be clambering out of the worst recession in living memory, but John Lewis has scored its best Christmas ever, Next clocked up a healthy festive season, and Boxing Day kicked off with jostling queues of bargain-hunters outside shopping centres determined not to miss a moment of the sales.

For long-suffering retailers, and the gleeful shoppers themselves, that feels like good news, but should we welcome the return of the spendthrift habits that plunged us into crisis in the first place, or is it time to ask if traditional metrics of economic success – retail sales, house prices, even GDP growth – really point us in the right direction?

As far as the politicians are concerned, the obsession with economic growth continues unabated. Gordon Brown used to take...



guardian.co.uk home Sunday 10 January 2010
Economists start to consider that money can't buy happiness

Obsession with GDP as a measure of how good people feel is losing its grip against concerns for welfare and sustainability

Britain has got the shopping habit back: we may only now be clambering out of the worst recession in living memory, but John Lewis has scored its best Christmas ever, Next clocked up a healthy festive season, and Boxing Day kicked off with jostling queues of bargain-hunters outside shopping centres determined not to miss a moment of the sales.

For long-suffering retailers, and the gleeful shoppers themselves, that feels like good news, but should we welcome the return of the spendthrift habits that plunged us into crisis in the first place, or is it time to ask if traditional metrics of economic success – retail sales, house prices, even GDP growth – really point us in the right direction?

As far as the politicians are concerned, the obsession with economic growth continues unabated. Gordon Brown used to take great glee in reminding parliament at each budget how many quarters of consistent expansion had been achieved under his chancellorship.

Now, with that record cruelly shattered, Labour hopes that 26 January and 23 April (assuming the election is held in May) will be key in producing a feelgood – or at least, feel-less-bad – factor, as voters prepare to go to the polls. These are the dates when GDP figures will be reported for the fourth quarter of 2009 and first quarter of 2010 respectively, and which are both likely to show positive growth after six consecutive quarters of contraction.

But with unemployment still rising, taxes going up and personal debt still high, the public may decide they do not feel any better just because of a couple of abstract numbers that don't correspond to their own experiences. And Britain is far from the only country to have discovered in the past two years that a record of rapid GDP growth does not guarantee long-term prosperity, let alone fairness or environmental sustainability.

Indeed, with the issue of climate change becoming ever more urgent and a growing recognition that economic growth does not make people any happier, there are growing calls for growth and the endless consumption of ever more material goods to be downgraded as political goals.

The pursuit of growth and endless rises in consumption every year have become part of the national psyche, since Harold Macmillan told the electorate they had "never had it so good". The idea that more, bigger and cheaper is better is a powerful one, and it will be hard to dislodge. It affects the way we think, the things politicians aim for and how journalists report events.

Rises in economic output, a company's sales or house prices are invariably considered good, rises in petrol prices bad. But debate is growing. Just as he sparked a furore last year about whether the activities of the City were good for society, Financial Services Authority chief Adair Turner last week questioned whether economic growth was a "false god". He said that not only did growth harm the climate by increasing emissions of greenhouse gases, but "all the evidence shows that beyond the sort of standard of living which Britain has now achieved, extra growth does not automatically translate into human welfare and happiness".

This is an area some economists have tried to deal with for several decades, by attempting to subtract from GDP figures the social or environmental consequences of growth. Cleaning up an oil spill counts towards GDP, but the environmental damage it causes does not; pumping the oil out of the ground counts as economic activity, but the resource depletion it implies is not accounted for.

For years, the economists trying to come up with alternative measures of welfare or sustainability were treated by the mainstream of the dismal science as tree-huggers who were trying to value things that were impossible to count, and therefore best ignored. This was partly because economics was going through an intensely mathematical phase, in which the goal was to prove everything with models and fancy equations. But the limitations of conventional economics were brutally exposed by the recession – and critics say the time has finally come for a long-overdue paradigm shift.

One of the oldest advocates of an alternative approach is Herman Daly, an American ecological economist who decades ago developed a measure called the "index of sustainable economic welfare" and the idea of a "steady state economy", which argues that the world has to develop a way to live within its means and the limitations of its resources. Another is Chilean economist Manfred Max-Neef, who works on development and poverty issues, and argues that conventional models of development increase poverty and ecological disaster.

Professor David Blanchflower of Dartmouth College, New Hampshire – better known in Britain for being the only member of the Bank of England's monetary policy committee to see the recession coming – has spent decades working on measures of happiness and wellbeing which, he says, offer politicians much more useful ways to think about what policy they should aim for, rather than merely expanding GDP.

Blanchflower rejects the idea that happiness is difficult to measure. Not only are there huge amounts of survey data over decades asking people about how they feel, he says, but cross-checks with other disciplines such as psychology or medicine and their data on metrics such as blood pressure work very well. And the fundamental truth the data reveal is that, despite decades of economic growth in the western world, people have not got happier.

Sensing that GDP measures might have outlived their usefulness, last September French president Nicolas Sarkozy commissioned a report by a panel of experts headed by Nobel prize-winning economist Joseph Stiglitz, to look at how to ensure governments take full account of their citizens' happiness and wellbeing, not just the country's economic growth.

In Britain the torch is being carried by the New Economics Foundation which, among other things, produces what it calls the "Happy Planet Index". Nef's policy director, Andrew Simms, says this brings together both the wellbeing and environmental aspects of human activity as well as the growth to measure whether economies achieve sustainable, happy lives for their citizens, rather than simply growing strongly. Under the HPI, Costa Rica is the world's happiest, greenest country. Many other Latin American countries feature high up in the table but Britain and the United States are down at 74th and 114th respectively. The HPI shows, for example, that fast-growing economies such as the US, China and India were all greener and happier 20 years ago than they are today. "Growth has failed on its own terms. You can't have infinite growth in a world of finite resources. Redistribution of the existing wealth is a far better way to go," says Simms. "It is now a case of paradigm shift or bust."

Nef recently published a report outlining how this can be achieved called "The Great Transition" and will this month release a new report entitled "Growth isn't possible". The simple measure of GDP may soon have had its day.

* guardian.co.uk © Guardian News and Media Limited 2010

Donnerstag, Januar 28, 2010

The Origins of Job interviews

Mittwoch, Januar 27, 2010

Eine Epidemie der Selbstverliebtheit

Tages Anzeiger Online 26.01.2010
Eine Epidemie der Selbstverliebtheit
Von Klaus Wilhelm

Die Anzahl Narzissten nimmt rapide zu. Das belegen Studien aus den USA. Das Phänomen breitet sich auch in Europa aus, denn Selbstverliebtheit kommt in der Gesellschaft gut an.

Man könne ja glauben oder hoffen, «dass wir in Europa von der Epidemie des Narzissmus in den USA verschont geblieben sind», sagt der Psychologe Hans-Werner Bierhoff von der Ruhr-Universität Bochum. «Wahrscheinlich ist das aber nicht, ich fürchte, wir stecken mittendrin.»

Epidemie des Narzissmus? Tatsächlich häufen sich in den USA wissenschaftliche Daten, die auf eine immer höher schwappende Welle der Selbstverliebtheit unter jungen Menschen deuten. Jean Twenge spricht von der «Generation Me», der Generation Ich. «Narzissmus hat so viele negative Konsequenzen», sagt die Psychologin von der San Diego State University, «und trotzdem scheint unsere Kultur Narzissmus weitgehend zu akzeptieren.»

Bereits in der Antike bekannt

Das Phänomen des Narzissmus war bereits in der Antike bekannt. Narziss, ein 16-jähriger Jüngling aus der griechischen Mythologie, hat dem Narzissmus seinen Namen gegeben. Das Bürschchen versagte aus Stolz der Nymphe Echo seine Liebe, worauf ihn die gekränkte Dame mit einem Fluch belegte: Der Knabe musste sein Spiegelbild in jedem Wasser lieben, das sich ihm aber immer wieder entzog.

Im 20. Jahrhundert prägte die aufkeimende Klinische Psychologie die Bewertung des Phänomens, indem sie Kriterien für die Diagnose einer....


Tages Anzeiger Online 26.01.2010
Eine Epidemie der Selbstverliebtheit
Von Klaus Wilhelm

Die Anzahl Narzissten nimmt rapide zu. Das belegen Studien aus den USA. Das Phänomen breitet sich auch in Europa aus, denn Selbstverliebtheit kommt in der Gesellschaft gut an.

Man könne ja glauben oder hoffen, «dass wir in Europa von der Epidemie des Narzissmus in den USA verschont geblieben sind», sagt der Psychologe Hans-Werner Bierhoff von der Ruhr-Universität Bochum. «Wahrscheinlich ist das aber nicht, ich fürchte, wir stecken mittendrin.»

Epidemie des Narzissmus? Tatsächlich häufen sich in den USA wissenschaftliche Daten, die auf eine immer höher schwappende Welle der Selbstverliebtheit unter jungen Menschen deuten. Jean Twenge spricht von der «Generation Me», der Generation Ich. «Narzissmus hat so viele negative Konsequenzen», sagt die Psychologin von der San Diego State University, «und trotzdem scheint unsere Kultur Narzissmus weitgehend zu akzeptieren.»

Bereits in der Antike bekannt

Das Phänomen des Narzissmus war bereits in der Antike bekannt. Narziss, ein 16-jähriger Jüngling aus der griechischen Mythologie, hat dem Narzissmus seinen Namen gegeben. Das Bürschchen versagte aus Stolz der Nymphe Echo seine Liebe, worauf ihn die gekränkte Dame mit einem Fluch belegte: Der Knabe musste sein Spiegelbild in jedem Wasser lieben, das sich ihm aber immer wieder entzog.

Im 20. Jahrhundert prägte die aufkeimende Klinische Psychologie die Bewertung des Phänomens, indem sie Kriterien für die Diagnose einer «narzisstischen Persönlichkeitsstörung» postulierte. Darin fliessen beispielsweise Kriterien ein wie «grandioses Verständnis der eigenen Wichtigkeit», «Glaube an die eigene Einzigartigkeit», «Anspruchsdenken», «Arroganz» oder «Mangel an Einfühlungsvermögen».

«Schockierende Daten»

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung ist die Extremform des klinisch unauffälligen «normalen» Narzissmus, der jetzt im Fokus vor allem von Sozialpsychologen wie Bierhoff oder Twenge steht. Seit 1979 befragten amerikanische Psychologen mittels eines standardisierten Tests regelmässig US-Studenten auf Narzissmus-Merkmale – bis 2009 fast 20'000 junge Frauen und Männer. Zeigten Mitte der Achtzigerjahre etwa 14 Prozent der Interviewten erhöhte Narzissmuswerte, waren es 2009 mehr als 25 Prozent. «Der Anstieg beschleunigt sich noch schneller, als wir dachten», sagt Twenge nach einer neuen vergleichenden Studie mit ihrem Kollegen Josh Foster von der University of South Alabama: Von 2002 bis 2007 stiegen die Werte doppelt so schnell wie zwischen 1982 und 2006.

Dazu kommen die für Twenge «schockierenden Daten» der nationalen Gesundheitsinstitute der USA. Deren Forscher haben 35'000 Amerikaner danach gefragt, ob sie sich an Symptome einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung in ihrem Leben erinnern. Resultat: 3 Prozent der über 65-Jährigen konnten das, bei den 20- bis 30-Jährigen waren es 10 Prozent. Selbst wenn den einen oder anderen Senior Gedächtnislücken plagen sollten, ist die Diskrepanz für die Psychologin deutlich: «Da kommt in den nächsten Jahrzehnten einiges auf uns zu», prognostiziert Twenge.

Hans-Werner Bierhoff bestätigt die Tendenzen für Europa. In einer seiner jüngsten Studien erwies sich jeder fünfte deutsche Student als übermässig narzisstisch. Die zunehmende Tendenz zur Individualisierung wirkt bis in die Familien hinein. «Welche Eltern gerade aus der oberen Mittelschicht glauben noch, ein ‹ganz normales Kind› zu haben?», fragt der Psychologe. «Da bleibt dem Kind nichts anderes übrig, als sich grandios zu finden.»

Nichts für Partnerschaften

Der Bochumer untersucht vor allem das kaum erforschte Feld des Narzissmus in der Partnerschaft. An einer gerade veröffentlichten Studie nahmen 250 Studenten teil, die seit durchschnittlich dreieinhalb Jahren eine Beziehung führen. Die Forscher ermittelten zunächst den Narzissmus der Personen. Danach beurteilten die Paare jeweils die eigene Attraktivität und die des Partners: Dabei ging es um die Wahrnehmung der äusseren Erscheinung, um Statusfragen wie Bildung und Einkommen oder auch um die Anziehungskraft des anderen.

Klares Ergebnis: «Je narzisstischer ein Partner», sagt Bierhoff, «umso mehr überschätzt er die eigene Attraktivität» – und mithin den eigenen Beitrag zur Partnerschaft. Durch die verzerrte Selbstwahrnehmung bewerteten die Narzissten die Leistung des Partners geringer als die eigene und würdigen sie kaum. «Die narzisstische Person setzt den Partner ständig unter Druck», sagt Bierhoff. Seine gut gemeinte Empfehlung: «Finger weg von einem narzisstischen Menschen!» Das dürfte aber schwierig werden, vor allem weil Narzissten meist unterhaltsam und witzig sind. Das kann attraktiv wirken, zumal das überbordende Ego oft zu beruflichem Erfolg verhilft. Doch «als Partner kann die charmante Bekanntschaft später selten halten, was sie verspricht», warnt der Psychologe und Autor des Buches «Narzissmus – die Wiederkehr».

Eitle Selbstverliebtheit bei Frauen steigt

Den jüngsten Untersuchungen zufolge nimmt die eitle Selbstverliebtheit auch unter Frauen zu, wenngleich Männer noch immer dominieren. In einer Medienwelt, die nach narzisstischen Promis oder Pseudopromis giert, erscheint der Trend zwangsläufig. Entsprechend zeigen jüngste Untersuchungen unter Schauspielern und Musikern deutlich erhöhte Narzissmuspegel im Vergleich zu einer Gruppe von Nichtpromis. An der Spitze: Gewinner von Casting-Shows oder Reality-Sendungen im Fernsehen.

Rabiat kulturpessimistisch vermutet die Psychologin Susan Linn von der Harvard University, dass derlei TV-Sendungen zu stetig wachsender Akzeptanz narzisstischer Tendenzen führen. «Ein Desaster für Kinder», findet Linn, «da werden ungesunde Werte vermittelt und falsche Erwartungen an das Leben.» Es gibt aber auch andere Stimmen, etwa von der Psychologin Kali Trzesniewski von der University of Western Ontario in Kanada. Junge Menschen heute seien sich halt «ihrer potenziell zahllosen Möglichkeiten bewusst». Das könne dann schon sehr selbstbezogen wirken. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2010, 04:00 Uhr

Dienstag, Januar 26, 2010

Oel: Am Kaspischen Meer kämpft jeder gegen jeden

23. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung
Am Kaspischen Meer kämpft jeder gegen jeden

Aserbeidschan spielt eine neue Runde des «Great Game» um die Bodenschätze zwischen Europa und Asien

Um das Kaspische Becken und dessen Bodenschätze haben lange die USA und Russland gerungen. Die Konfrontation der zwei ist unterdessen einem Durcheinander gewichen, in dem alle ihren Vorteil suchen.

Eric Gujer, Baku

Im Sonnenlicht glänzen die Schiffe und ihre Aufbauten draussen auf dem Meer vor Istanbul: die roten und grünen Container der Frachtschiffe, die mächtigen Rümpfe der Tanker, dazwischen flinke Fischerboote und Fähren. Der Bosporus ist eine der am meisten befahrenen Meerengen der Welt und ein geopolitischer Vorteil der Türkei. Das Land kontrolliert den Zugang zum Schwarzen Meer, in seinem Mittelmeerhafen bei Ceyhan endet eine wichtige Pipeline. Was eine günstige Lage wert ist, erkennt man drei Flugstunden weiter östlich, wenn man das karge Hochland Anatoliens und die Ausläufer des Kaukasus überquert hat. Aserbeidschan besitzt Öl und Gas im Überfluss, aber es liegt gefangen im Kaspischen Becken, ein Binnenland, das für den Transport seiner Bodenschätze auf....

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23. Januar 2010, Neue Zürcher Zeitung
Am Kaspischen Meer kämpft jeder gegen jeden

Aserbeidschan spielt eine neue Runde des «Great Game» um die Bodenschätze zwischen Europa und Asien

Um das Kaspische Becken und dessen Bodenschätze haben lange die USA und Russland gerungen. Die Konfrontation der zwei ist unterdessen einem Durcheinander gewichen, in dem alle ihren Vorteil suchen.

Eric Gujer, Baku

Im Sonnenlicht glänzen die Schiffe und ihre Aufbauten draussen auf dem Meer vor Istanbul: die roten und grünen Container der Frachtschiffe, die mächtigen Rümpfe der Tanker, dazwischen flinke Fischerboote und Fähren. Der Bosporus ist eine der am meisten befahrenen Meerengen der Welt und ein geopolitischer Vorteil der Türkei. Das Land kontrolliert den Zugang zum Schwarzen Meer, in seinem Mittelmeerhafen bei Ceyhan endet eine wichtige Pipeline. Was eine günstige Lage wert ist, erkennt man drei Flugstunden weiter östlich, wenn man das karge Hochland Anatoliens und die Ausläufer des Kaukasus überquert hat. Aserbeidschan besitzt Öl und Gas im Überfluss, aber es liegt gefangen im Kaspischen Becken, ein Binnenland, das für den Transport seiner Bodenschätze auf den Goodwill der Nachbarn angewiesen ist.

Geopolitischer Balanceakt

Rund ums Kaspische Meer wird die zweite Runde des grossen Spiels ausgetragen, das bereits in den neunziger Jahren die Phantasie der Strategen in Washington und Moskau erhitzte. Damals mussten die in der Sowjetunion vernachlässigten Vorkommen erforscht, neue Förderanlagen errichtet und der Reichtum zwischen Aserbeidschan und den internationalen Energiekonzernen verteilt werden. Inzwischen ist die Ölproduktion von 180 000 Fass am Tag im Jahr 1997 auf knapp 900 000 Fass gestiegen. Die nachgewiesenen Reserven betragen 7 Milliarden Fass – und noch einmal 1,2 Billionen Kubikmeter Erdgas. In der Hauptstadt Baku haben Hochhäuser mit viel Marmor die heruntergekommenen Backsteinbauten der Sowjetzeit verdrängt; statt einer Schlaglochpiste führt eine sechsspurige Autobahn vom Flughafen ins Zentrum.

Die Basis für den Boom ist gelegt, doch jetzt wird erneut darum gerungen, wer die Ressourcen und damit Aserbeidschan künftig kontrolliert. Die Regierung des langjährigen Präsidenten Haidar Alijew hatte sich nach dem Zerfall der Sowjetunion aus dem Schatten Moskaus gelöst und – gestützt auf den Ölreichtum – eine geschickte Schaukelpolitik zwischen West und Ost betrieben. Alijew verdarb es sich mit Moskau nicht, aber er lehnte sich zugleich an die Türkei und die USA an. Während die kaukasischen Nachbarn Georgien und Armenien zu Hinterhöfen Amerikas und Russlands herabsanken, wahrte Aserbeidschan seine Selbständigkeit.

Orientalische «Monarchie»

Unterdessen ist die Macht, einer orientalischen Erbmonarchie nicht unähnlich, auf Alijews Sohn Ilham übergegangen, und neue Allianzen oder mindestens taktische Bündnisse zeichnen sich ab. Denn ausgerechnet das Verhältnis zur ethnisch und sprachlich verwandten Türkei, die sich als Schutzmacht Bakus sieht, ist merklich abgekühlt.

Ankara, das in den neunziger Jahren damit gescheitert war, sich als Führungsmacht der turksprachigen Staaten Zentralasiens zu etablieren, konzentriert sich nun auf seine engere Nachbarschaft. Das Land, das selbst nicht über Energievorräte verfügt, will zur unangefochtenen Transport-Drehscheibe für die Bodenschätze des Kaspischen Beckens aufsteigen. Durch den Bosporus wird schon kasachisches und aserbeidschanisches Öl verschifft, das in Pipelines bis zum Schwarzen Meer fliesst. Neben der bestehenden Ölleitung von Aserbeidschan in den türkischen Mittelmeerhafen bei Ceyhan wird zudem eine Gaspipeline gebaut. Weitere Leitungen sind in Planung, und Ankara nutzt diese neuerdings als Druckmittel gegen Baku. So verzögert die Türkei ein Transitabkommen für die künftige Nabucco-Pipeline, die aserbeidschanisches Gas in die EU leiten soll.

Baku reagiert darauf, indem es mit Moskau zusammenspannt. Aserbeidschan liefert ab nächstem Jahr Gas nach Russland und plant zu diesem Zweck, alte sowjetische Pipelines nachzurüsten. Dies ist eine Kehrtwende gegenüber den neunziger Jahren, als Aserbeidschan noch mit Hilfe Washingtons alles unternahm, um sich durch den Bau neuer Leitungen durch Georgien und die Türkei aus der Abhängigkeit vom Kreml zu befreien. Russland, das lange als Hegemon der Region beargwöhnt wurde, löst heute weniger Berührungsängste aus. So hat Moskau den Dialog mit den Anrainern des Kaspischen Meeres intensiviert und führt Gespräche über eine Zusammenarbeit in Bereichen wie Grenzsicherheit.

Russland kooperiert beim Pipelinebau auch mit der Türkei, getrieben von dem Ziel, den Transport aller Energieträger aus Kasachstan und den anderen zentralasiatischen Staaten am Ostufer des Kaspischen Meeres zu kontrollieren. Zugleich versucht Moskau, Ankara politisch stärker an sich zu binden, um so den amerikanischen Einfluss im Kaukasus zu verringern. Ausserdem will der Kreml Georgien als bisher wichtigstes Transitland isolieren, indem er durch neue Leitungen möglichst viel Öl und Gas an Georgien vorbeilenkt. Iran und neuerdings China, das sich nachdrücklich Zugang zum zentralasiatischen Gas zu verschaffen sucht, gehören zu den weiteren Akteuren in diesem «Great Game». Die klare Schlachtordnung des vorigen Jahrzehnts, als es hauptsächlich darum ging, Alternativen zum russischen Leitungsnetz zu schaffen, ist längst einem Durcheinander gewichen, in dem jeder seinen Vorteil sucht. Öl und Gas bedeuten Macht – und Pipelines. Wer an diesem eurasischen Schachbrett, wie es der frühere amerikanische Sicherheitsberater Zbignew Brzezinski genannt hat, als Sieger hervorgeht, ist noch nicht ausgemacht. Die Europäer werden es vermutlich nicht sein, denn sie verfolgen divergierende energiepolitische Interessen und Pipelineprojekte. Der Einfluss der USA in der Region ist seit der Niederlage ihres Schützlings Georgien im Krieg gegen Russland ebenfalls zurückgegangen, zudem hat Washington noch keine Antwort auf die neuen Allianzen am Kaspischen Meer. Moskau macht auf Kosten Amerikas Boden gut.

Auch Aserbeidschans Position ist noch nicht gefestigt. Der politische Analyst und Autor Tabib Huseynov warnt Baku davor, zu hoch zu pokern. Denn die Türkei bleibe die wichtigste Transitroute für Aserbeidschan und letztlich auch ein zuverlässigerer Partner als Russland. Die Regierung in Baku strotzt indessen vor Selbstbewusstsein. Westliche Diplomaten beklagen, dass das Alijew-Regime immer weniger zugänglich sei beispielsweise für Ermahnungen wegen der zahlreichen Menschenrechtsverstösse.

Die Zeit der Ungewissheit nach dem Untergang der Sowjetunion, als die junge Republik eine neue Orientierung suchte, ist jedenfalls vorbei. Vor der Finanzkrise war Aserbeidschan mit einer Rate von mehr als 30 Prozent die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Der markante Rückgang des Ölpreises im Gefolge der globalen Rezession hat dem extremen Höhenflug zwar ein Ende gesetzt, aber die Öl- und Gasreserven spülen auch bei niedrigeren Erlösen gewaltige Summen in den Staatshaushalt.

Petro-Pfründen

Aserbeidschan ist das klassische Beispiel für den «Fluch des Öls», also die Abhängigkeit einer Volkswirtschaft von Bodenschätzen. Die hohen Wachstumsraten gehen ausschliesslich auf die Einnahmen für Öl und Gas zurück, während andere Industriezweige im Schatten der Petro-Profite verkümmern. Das leicht verdiente Geld führt bei schwachen staatlichen Institutionen auch zu einer endemischen Korruption. Wer in Baku ein Auto einlösen möchte, muss auf der Zulassungsstelle nacheinander bei 13 Beamten vorsprechen. Und alle erwarten einen Obolus. Sie kopieren damit nur, was sich an der Spitze des Gemeinwesens abspielt, denn die wichtigsten Unternehmen und die lukrativsten Immobilien befinden sich in der Hand weniger einflussreicher Familien.

Wenn der Wohlstand nur aus einer einzigen Quelle sprudelt, dann ist die Versuchung für die Herrschenden gross, nach totaler Kontrolle zu streben. Der Alijew-Clan verfügt dank der staatlichen Ölgesellschaft und einem vom Präsidenten beaufsichtigten Ölfonds nach Gutdünken über die Rohstoff-Einnahmen. Auch die politische Macht unterliegt in Petro-Staaten ohne gefestigte Demokratie oft einem Konzentrationsprozess. «Während der Vater Alijew in den neunziger Jahren noch eine schwache Opposition zuliess, hat sein Sohn Ilham diese Kräfte völlig marginalisiert», sagt die regimekritische Journalistin Khadija Ismayilova. Vor kurzem wurden zwei Blogger zu Haftstrafen verurteilt – angeblich wegen Körperverletzung und Rowdytum, in Wirklichkeit aber, weil sie die politische Elite mit Eseln verglichen hatten.

Bewegungsspielraum


Ernsthafte Kritik aus dem Ausland muss die Regierung nicht fürchten, denn Aserbeidschan bleibt ein wirtschaftlich interessanter Partner. Auch der Balanceakt zwischen Ost und West verschafft Baku in einer Region, in der sonst Klientelstaaten Moskaus oder Washingtons vorherrschen, einen zusätzlichen Bewegungsspielraum – zumal die politischen Verhältnisse rund ums Kaspische Meer in Bewegung geraten sind. Manche Konstanten zeigen allerdings erhebliche Beharrungskraft. So blockiert Moskau seit den neunziger Jahren die Verhandlungen über den rechtlichen Status des Binnenmeeres. Ohne eine Einigung können am Meeresboden zwischen Aserbeidschan und Zentralasien keine Leitungen gebaut werden, mit denen sich Russland umgehen liesse. Letztlich dreht sich in dieser Region eben alles um die Frage, wie Öl und Gas aus diesem von Politik und Geografie bedrängten Becken zu den Kunden gebracht werden können.

Am Hafen von Baku mit seinem ausgedehnten Park hat sich vieles verändert. Wo früher eine kaukasische Schaschlik-Bude stand, wartet nun ein blitzblankes, rundum verglastes Karussell auf die Kinder der neuen Mittelschicht. Auf Englisch preist ein Stand Zuckerwatte und andere Süssigkeiten an. Nur das Kaspische Meer hat sich nicht verändert: Die grauen Wogen, die an die Mole schlagen, sehen aus wie Meereswellen; die salzige Luft schmeckt nach grenzenloser Weite – aber eigentlich ist es nur ein von der eurasischen Landmasse umgebener See.

Sonntag, Januar 24, 2010

Atheist Ireland Publishes 25 Blasphemous Quotes

Atheist Ireland Publishes 25 Blasphemous Quotes
Filed under: Atheist Ireland, Campaign, Freedom of Speech, Is this Blasphemy?, Quotes — Michael Nugent @ 12:33 am

From today, 1 January 2010, the new Irish blasphemy law becomes operational, and we begin our campaign to have it repealed. Blasphemy is now a crime punishable by a €25,000 fine. The new law defines blasphemy as publishing or uttering matter that is grossly abusive or insulting in relation to matters held sacred by any religion, thereby intentionally causing outrage among a substantial number of adherents of that religion, with some defences permitted.

This new law is both silly and dangerous. It is silly because medieval religious laws have no place in a modern secular republic, where the criminal law should protect people and not ideas. And it is dangerous because it incentivises religious outrage, and because Islamic States led by Pakistan are already using the wording of this Irish law to promote new blasphemy laws at UN level.

We believe in the golden rule: that we have a right to be treated justly, and that we have a responsibility to treat other people justly. Blasphemy laws are unjust: they silence people in order to protect ideas. In a civilised society, people have a right to to express and to hear ideas about religion even if other people find those ideas to be outrageous.

Publication of 25 blasphemous quotes

In this context we now publish a list of 25 blasphemous quotes, which have previously been published by or uttered by or attributed to Jesus Christ, Muhammad, Mark Twain, Tom Lehrer, Randy Newman, James Kirkup, Monty Python, Rev Ian Paisley, Conor Cruise O’Brien, Frank Zappa, Salman Rushdie, Bjork, Amanda Donohoe, George Carlin, Paul Woodfull, Jerry Springer the Opera, Tim Minchin, Richard Dawkins, Pope Benedict XVI, Christopher Hitchens, PZ Myers, Ian O’Doherty, Cardinal Cormac Murphy-O’Connor and Dermot Ahern.

Despite these quotes being abusive and insulting in relation to matters held sacred by various religions, we unreservedly support the right of these people to have published or uttered them, and we unreservedly support the right of any Irish citizen to make comparable statements about matters held sacred by any religion without fear of being criminalised, and without having to prove to a court that a reasonable person would find any particular value in the statement.

Campaign begins to repeal the Irish blasphemy law

We ask Fianna Fail and the Green Party to repeal their anachronistic blasphemy law, as part of the revision of the Defamation Act that is included within the Act. We ask them to hold a referendum to remove the reference to blasphemy from the Irish Constitution.

We also ask all TDs and Senators to support a referendum to remove references to God from the Irish Constitution, including the clauses that prevent atheists from being appointed as President of Ireland or as a Judge without swearing a religious oath asking God to direct them in their work.

If you run a website, blog or other media publication, please feel free to republish this statement and the list of quotes yourself, in order to show your support for the campaign to repeal the Irish blasphemy law and to promote a rational, ethical, secular Ireland.



List of 25 Blasphemous Quotes Published by Atheist Ireland.....





List of 25 Blasphemous Quotes Published by Atheist Ireland

1. Jesus Christ, when asked if he was the son of God, in Matthew 26:64: “Thou hast said: nevertheless I say unto you, Hereafter shall ye see the Son of man sitting on the right hand of power, and coming in the clouds of heaven.” According to the Christian Bible, the Jewish chief priests and elders and council deemed this statement by Jesus to be blasphemous, and they sentenced Jesus to death for saying it.

2. Jesus Christ, talking to Jews about their God, in John 8:44: “Ye are of your father the devil, and the lusts of your father ye will do. He was a murderer from the beginning, and abode not in the truth, because there is no truth in him.” This is one of several chapters in the Christian Bible that can give a scriptural foundation to Christian anti-Semitism. The first part of John 8, the story of “whoever is without sin cast the first stone”, was not in the original version, but was added centuries later. The original John 8 is a debate between Jesus and some Jews. In brief, Jesus calls the Jews who disbelieve him sons of the Devil, the Jews try to stone him, and Jesus runs away and hides.

3. Muhammad, quoted in Hadith of Bukhari, Vol 1 Book 8 Hadith 427: “May Allah curse the Jews and Christians for they built the places of worship at the graves of their prophets.” This quote is attributed to Muhammad on his death-bed as a warning to Muslims not to copy this practice of the Jews and Christians. It is one of several passages in the Koran and in Hadith that can give a scriptural foundation to Islamic anti-Semitism, including the assertion in Sura 5:60 that Allah cursed Jews and turned some of them into apes and swine.

4. Mark Twain, describing the Christian Bible in Letters from the Earth, 1909: “Also it has another name – The Word of God. For the Christian thinks every word of it was dictated by God. It is full of interest. It has noble poetry in it; and some clever fables; and some blood-drenched history; and some good morals; and a wealth of obscenity; and upwards of a thousand lies… But you notice that when the Lord God of Heaven and Earth, adored Father of Man, goes to war, there is no limit. He is totally without mercy – he, who is called the Fountain of Mercy. He slays, slays, slays! All the men, all the beasts, all the boys, all the babies; also all the women and all the girls, except those that have not been deflowered. He makes no distinction between innocent and guilty… What the insane Father required was blood and misery; he was indifferent as to who furnished it.” Twain’s book was published posthumously in 1939. His daughter, Clara Clemens, at first objected to it being published, but later changed her mind in 1960 when she believed that public opinion had grown more tolerant of the expression of such ideas. That was half a century before Fianna Fail and the Green Party imposed a new blasphemy law on the people of Ireland.

5. Tom Lehrer, The Vatican Rag, 1963: “Get in line in that processional, step into that small confessional. There, the guy who’s got religion’ll tell you if your sin’s original. If it is, try playing it safer, drink the wine and chew the wafer. Two, four, six, eight, time to transubstantiate!”

6. Randy Newman, God’s Song, 1972: “And the Lord said: I burn down your cities – how blind you must be. I take from you your children, and you say how blessed are we. You all must be crazy to put your faith in me. That’s why I love mankind.”

7. James Kirkup, The Love That Dares to Speak its Name, 1976: “While they prepared the tomb I kept guard over him. His mother and the Magdalen had gone to fetch clean linen to shroud his nakedness. I was alone with him… I laid my lips around the tip of that great cock, the instrument of our salvation, our eternal joy. The shaft, still throbbed, anointed with death’s final ejaculation.” This extract is from a poem that led to the last successful blasphemy prosecution in Britain, when Denis Lemon was given a suspended prison sentence after he published it in the now-defunct magazine Gay News. In 2002, a public reading of the poem, on the steps of St. Martin-in-the-Fields church in Trafalgar Square, failed to lead to any prosecution. In 2008, the British Parliament abolished the common law offences of blasphemy and blasphemous libel.

8. Matthias, son of Deuteronomy of Gath, in Monty Python’s Life of Brian, 1979: “Look, I had a lovely supper, and all I said to my wife was that piece of halibut was good enough for Jehovah.”

9. Rev Ian Paisley MEP to the Pope in the European Parliament, 1988: “I denounce you as the Antichrist.” Paisley’s website describes the Antichrist as being “a liar, the true son of the father of lies, the original liar from the beginning… he will imitate Christ, a diabolical imitation, Satan transformed into an angel of light, which will deceive the world.”

10. Conor Cruise O’Brien, 1989: “In the last century the Arab thinker Jamal al-Afghani wrote: ‘Every Muslim is sick and his only remedy is in the Koran.’ Unfortunately the sickness gets worse the more the remedy is taken.”

11. Frank Zappa, 1989: “If you want to get together in any exclusive situation and have people love you, fine – but to hang all this desperate sociology on the idea of The Cloud-Guy who has The Big Book, who knows if you’ve been bad or good – and cares about any of it – to hang it all on that, folks, is the chimpanzee part of the brain working.”

12. Salman Rushdie, 1990: “The idea of the sacred is quite simply one of the most conservative notions in any culture, because it seeks to turn other ideas – uncertainty, progress, change – into crimes.” In 1989, Ayatollah Khomeini of Iran issued a fatwa ordering Muslims to kill Rushdie because of blasphemous passages in Rushdie’s novel The Satanic Verses.

13. Bjork, 1995: “I do not believe in religion, but if I had to choose one it would be Buddhism. It seems more livable, closer to men… I’ve been reading about reincarnation, and the Buddhists say we come back as animals and they refer to them as lesser beings. Well, animals aren’t lesser beings, they’re just like us. So I say fuck the Buddhists.”

14. Amanda Donohoe on her role in the Ken Russell movie Lair of the White Worm, 1995: “Spitting on Christ was a great deal of fun. I can’t embrace a male god who has persecuted female sexuality throughout the ages, and that persecution still goes on today all over the world.”

15. George Carlin, 1999: “Religion easily has the greatest bullshit story ever told. Think about it. Religion has actually convinced people that there’s an invisible man living in the sky who watches everything you do, every minute of every day. And the invisible man has a special list of ten things he does not want you to do. And if you do any of these ten things, he has a special place, full of fire and smoke and burning and torture and anguish, where he will send you to live and suffer and burn and choke and scream and cry forever and ever ’til the end of time! But He loves you. He loves you, and He needs money! He always needs money! He’s all-powerful, all-perfect, all-knowing, and all-wise, somehow just can’t handle money! Religion takes in billions of dollars, they pay no taxes, and they always need a little more. Now, talk about a good bullshit story. Holy Shit!”

16. Paul Woodfull as Ding Dong Denny O’Reilly, The Ballad of Jaysus Christ, 2000: “He said me ma’s a virgin and sure no one disagreed, Cause they knew a lad who walks on water’s handy with his feet… Jaysus oh Jaysus, as cool as bleedin’ ice, With all the scrubbers in Israel he could not be enticed, Jaysus oh Jaysus, it’s funny you never rode, Cause it’s you I do be shoutin’ for each time I shoot me load.”

17. Jesus Christ, in Jerry Springer The Opera, 2003: “Actually, I’m a bit gay.” In 2005, the Christian Institute tried to bring a prosecution against the BBC for screening Jerry Springer the Opera, but the UK courts refused to issue a summons.

18. Tim Minchin, Ten-foot Cock and a Few Hundred Virgins, 2005: “So you’re gonna live in paradise, With a ten-foot cock and a few hundred virgins, So you’re gonna sacrifice your life, For a shot at the greener grass, And when the Lord comes down with his shiny rod of judgment, He’s gonna kick my heathen ass.”

19. Richard Dawkins in The God Delusion, 2006: “The God of the Old Testament is arguably the most unpleasant character in all fiction: jealous and proud of it; a petty, unjust, unforgiving control-freak; a vindictive, bloodthirsty ethnic cleanser; a misogynistic, homophobic, racist, infanticidal, genocidal, filicidal, pestilential, megalomaniacal, sadomasochistic, capriciously malevolent bully.” In 2007 Turkish publisher Erol Karaaslan was charged with the crime of insulting believers for publishing a Turkish translation of The God Delusion. He was acquitted in 2008, but another charge was brought in 2009. Karaaslan told the court that “it is a right to criticise religions and beliefs as part of the freedom of thought and expression.”

20. Pope Benedict XVI quoting a 14th century Byzantine emperor, 2006: “Show me just what Muhammad brought that was new and there you will find things only evil and inhuman, such as his command to spread by the sword the faith he preached.” This statement has already led to both outrage and condemnation of the outrage. The Organisation of the Islamic Conference, the world’s largest Muslim body, said it was a “character assassination of the prophet Muhammad”. The Malaysian Prime Minister said that “the Pope must not take lightly the spread of outrage that has been created.” Pakistan’s foreign Ministry spokesperson said that “anyone who describes Islam as a religion as intolerant encourages violence”. The European Commission said that “reactions which are disproportionate and which are tantamount to rejecting freedom of speech are unacceptable.”

21. Christopher Hitchens in God is not Great, 2007: “There is some question as to whether Islam is a separate religion at all… Islam when examined is not much more than a rather obvious and ill-arranged set of plagiarisms, helping itself from earlier books and traditions as occasion appeared to require… It makes immense claims for itself, invokes prostrate submission or ‘surrender’ as a maxim to its adherents, and demands deference and respect from nonbelievers into the bargain. There is nothing-absolutely nothing-in its teachings that can even begin to justify such arrogance and presumption.”

22. PZ Myers, on the Roman Catholic communion host, 2008: “You would not believe how many people are writing to me, insisting that these horrible little crackers (they look like flattened bits of styrofoam) are literally pieces of their god, and that this omnipotent being who created the universe can actually be seriously harmed by some third-rate liberal intellectual at a third-rate university… However, inspired by an old woodcut of Jews stabbing the host, I thought of a simple, quick thing to do: I pierced it with a rusty nail (I hope Jesus’s tetanus shots are up to date). And then I simply threw it in the trash, followed by the classic, decorative items of trash cans everywhere, old coffeegrounds and a banana peel.”

23. Ian O’Doherty, 2009: “(If defamation of religion was illegal) it would be a crime for me to say that the notion of transubstantiation is so ridiculous that even a small child should be able to see the insanity and utter physical impossibility of a piece of bread and some wine somehow taking on corporeal form. It would be a crime for me to say that Islam is a backward desert superstition that has no place in modern, enlightened Europe and it would be a crime to point out that Jewish settlers in Israel who believe they have a God given right to take the land are, frankly, mad. All the above assertions will, no doubt, offend someone or other.”

24. Cardinal Cormac Murphy-O’Connor, 2009: “Whether a person is atheist or any other, there is in fact in my view something not totally human if they leave out the transcendent… we call it God… I think that if you leave that out you are not fully human.” Because atheism is not a religion, the Irish blasphemy law does not protect atheists from abusive and insulting statements about their fundamental beliefs. While atheists are not seeking such protection, we include the statement here to point out that it is discriminatory that this law does not hold all citizens equal.

25. Dermot Ahern, Irish Minister for Justice, introducing his blasphemy law at an Oireachtas Justice Committee meeting, 2009, and referring to comments made about him personally: “They are blasphemous.” Deputy Pat Rabbitte replied: “Given the Minister’s self-image, it could very well be that we are blaspheming,” and Minister Ahern replied: “Deputy Rabbitte says that I am close to the baby Jesus, I am so pure.” So here we have an Irish Justice Minister joking about himself being blasphemed, at a parliamentary Justice Committee discussing his own blasphemy law, that could make his own jokes illegal.

Finally, as a bonus, Micheal Martin, Irish Minister for Foreign Affairs, opposing attempts by Islamic States to make defamation of religion a crime at UN level, 2009: “We believe that the concept of defamation of religion is not consistent with the promotion and protection of human rights. It can be used to justify arbitrary limitations on, or the denial of, freedom of expression. Indeed, Ireland considers that freedom of expression is a key and inherent element in the manifestation of freedom of thought and conscience and as such is complementary to freedom of religion or belief.” Just months after Minister Martin made this comment, his colleague Dermot Ahern introduced Ireland’s new blasphemy law.