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Montag, April 23, 2012

Fucking for Virginity!

Aus der UseNet Gruppe ch.soc.politics (Namen durch mich unkenntlich gemacht/ul)

Am 23.04.12 11:44, schrieb YYYY YYYY:
Am 23.04.12 10:46, schrieb XXX XXXXr:

Wollen wir wirklich eine Welt, in der die USA ihre Ansichten, was
richtig ist, jederzeit per Drohnen und Cruise Missiles mitteilen?

Spielt es eine Rolle, ob wir das wollen? Wir haben sie.

Nur wenn weiterhin beifällig genickt wird, wenn der eine oder andere Despot medienwirksam weggebombt wird, während man mit anderen Despoten fröhlich und lukrativ Handel treibt. Damit macht sich dann nämlich auch im Völkerrecht eine "legal-illegal-scheissegal"-Mentalität breit.


Nach dem 2. Weltkrieg war es eigentlich klar, dass Krieg kein akzeptables Mittel der Politik sein darf. Und vor allem, dass es unsinn ist, die Welt in Gut und Böse einzuteilen. Als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, hat die Welt sich emört. Daraufhin haben die USA die "guten" Taliban kräftig unterstützt, damit diese die bösen Russen wieder rausschmeissen. Danach wurden die guten Taliban dann zu den bösen Taliban.  In Persien dagegen unterstütze man den guten Schah gegen die bösen Kommunisten, bis Chomeini kam und nun plötzlich die bösen Mullahs an der Macht waren. Da unterstütze man den guten Saddam Hussein als Bollwerk gegen die bösen Islamisten. Allerdings wurde der gute Saddam zum bösen Saddam, als er die guten Oelliferanten in Kuweit angriff und das gute Autokratenregime in Saudi Arabien bedrohte.

Die einzigen, die wirklich immer gut sind, sind die Chinesen. Die sind einfach zu gute Handelspartner, um böse zu sein. Und die einzigen, die wirklich immer böse sind, sind die Nordkoreaner. Denn die haben weder Oel noch Kaufkraft.

Selbst Ghaddaffi pendelte in den Jahrzehnten seiner....

Freitag, Juli 01, 2011

10 Strategien der Manipulation - Gehirnwäsche nach Noam Chomsky

10 Strategien der Manipulation - Gehirnwäsche nach Noam Chomsky


Der prominente Linguist und Intellektuelle Noam Chomsky zeigt in seinem Text „10 Strategien der Manipulation“ auf satirische Weise, wie eine Gesellschaft manipuliert werden kann, ohne dass eine kritische Masse an Menschen in dieser Gesellschaft dies realisiert.

In einer Zeit in der viele Bürger von der „plötzlich“ anwachsenden Brisanz politischer und wirtschaftlicher Verwerfungen überrascht sind, ist es besonders wertvoll, Chomskys Einsichten zu verinnerlichen.

Chomsky zeigt auf, wie das System beeinflusst wird und welche Informationen wir für relevant halten. Da Information immer zu Wahrnehmung führt und Wahrnehmung die Grundlage jeden Handelns ist, begründet Information letztendlich auch die soziale Realität. Ebenso den Wandel dieser.

1. Kehre die Aufmerksamkeit um

Das Schlüsselelement zur Kontrolle der Gesellschaft ist es, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf unwesentliche Ereignisse umzulenken, um sie von wichtigen Informationen über tatsächliche Änderungen durch die politischen und wirtschaftlichen Führungsorgane abzulenken. Jene Strategie ist der Grundstein, der das Basisinteresse an den Bereichen Bildung, Wirtschaft, Psychologie, Neurobiologie und Kybernetik verhindert. Somit kehrt die öffentliche Meinung dem wirklichen gesellschaftlichen Problemen den Rücken zu, berieselt und abgelenkt durch unwichtige Angelegenheiten. Schaffe es, dass die Gesellschaft beschäftigt ist, beschäftige sie, beschäftige sie so, damit sie keine Zeit hat über etwas nachzudenken, entsprechend dem Level eines Tieres.

2. Erzeuge Probleme und liefere die Lösung

Diese Methode wird die „Problem-Reaktion-Lösung“ genannt. Es wird ein Problem bzw. eine Situation geschaffen, um eine Reaktion bei den Empfängern auszulösen, die danach eine präventive Vorgehensweise erwarten. Verbreite Gewalt oder zettle blutige Angriffe an, damit die Gesellschaft eine

Donnerstag, Februar 03, 2011

Financial terrorists pose grave risk to US

02/02/2011 / The Times (London)
Alexandra Frean
(Copyright Times Newspapers Ltd, 2011)
Financial terrorists pose grave risk to US
The US financial system remains vulnerable to a co-ordinated act of ?financial terrorism? that risks taking down the US economy and collapsing the dollar, according to a confidential report commissioned by the Department of Defence in Washington.

The document warns that forces hostile to the US could mount a ?focused effort to collapse the dollar by dumping Treasury bonds? and urges the security services to conduct a further risk assessment outside of traditional Washington and Wall Street circles.

It also suggests that the financial meltdown of 2008, which wiped out an estimated $50 trillion of global wealth, may not have been the spontaneous result of poor regulation and bad risk assessment among financial institutions, but a co-ordinated series of attacks by ?financial terrorists intent on destroying the American financial system.

The disclosure of the report?s contents to The Times came as the FBI confirmed that it had warned major Wall Street institutions of a potential threat to their businesses and executives after an al Qaeda-linked magazine, Inspire, suggested that financial markets could be a target of attack.

A spokesman for the FBI in New York confirmed yesterday that security briefings for Wall Street firms took place last month, but said that the information that was discussed was not imminent, not specific. The briefings reflect concerns in some quarters of the Pentagon about the....

Sonntag, Januar 16, 2011

Klimawandel und Gewalt «Protest für etwas – dann wird es interessant»

WOZ vom 06.01.2011
Klimawandel und Gewalt
«Protest für etwas – dann wird es interessant»

Interview: Bettina Dyttrich

Das Klima ist ein Thema für NaturwissenschaftlerInnen, denken viele. Der deutsche Sozialpsychologe Harald Welzer sieht das anders. Im WOZ-Gespräch erklärt er, was er von der Klimakonferenz in Cancún hält, dass Gewalt nichts Irrationales ist – und warum er trotzdem an Demokratie glaubt.

«Der Erde und dem Klima ist es egal, dass es wärmer wird», sagt Harald Welzer. «Das ist nur von Bedeutung, weil es Kulturen, Gruppen, Individuen trifft.» Was passiert mit ihnen, wenn die Klimaprognosen eintreffen? Für diese Frage seien nicht KlimaforscherInnen zuständig; ihr sollten die SozialwissenschaftlerInnen dringend nachgehen, sagt der deutsche Sozialpsychologe. Doch bis jetzt ist Welzer einer von ganz wenigen, die das tun. Mit dem Buch «Klimakriege» hat Welzer 2008 einen umfassenden Anfang gemacht. Er kombiniert dar­in die Klimaprognosen mit seinem Wissen aus der Gewaltforschung; das Resultat ist so verstörend wie lesenswert.

Für einen, der sich tagtäglich mit den düstersten Seiten der Menschen beschäftigt, macht Welzer einen entspannten, geradezu vergnügten Eindruck. Er lacht viel, wirkt weder zynisch noch resigniert, sondern leidenschaftlich interessiert an der Welt. Erinnerung und Gewalt sind die Themen, die er seit über zwanzig Jahren erforscht. Oft geht es auch um beides, um die Erinnerung an Gewalt: In der Studie «Opa war kein Nazi» von 2002 zeigte Welzer zusammen mit ForschungskollegInnen, wie deutsche Familien Taten ihrer Grossväter verharmlosen und verklären. 

Warum gerade Erinnerung und Gewalt? Gab es ein Schlüsselerlebnis, das ihn darauf brachte? Welzer wehrt ab. Er finde diese Themen einfach wichtig, es gebe da ein Forschungsdefizit, und vor allem hätten ihn «Fragestellungen ohne Wirklichkeitsbezug» nie interessiert. Kein Wunder, hält er sich nicht an akademische Reviergrenzen: Für seine Forschungen über Erinnerung arbeitete....

Samstag, Dezember 04, 2010

200 Countries in 200 Years!

Factor in the contribution of oil and natural gas which has not only increasingly been utilized but also been produced over the last 200 years. And now imagine something like "Peak Oil" and then try to predict the future..../ursus

Mittwoch, Dezember 01, 2010

Velowege in Dänemark - Ein Vorbild für die Schweiz!

Kopenhagen's Veloinfrastruktur

Samstag, November 20, 2010

Nichts ist ohne Alternative – auch nicht der Kapitalismus

Tages-Anzeiger Online 18.11.2010

Nichts ist ohne Alternative – auch nicht der Kapitalismus

Von Lukas Bärfuss.
Es stehe kein anderer Weg zur Verfügung als die Marktwirtschaft und die Globalisierung, heisst es. Das ist blosse Ideologie, meint der Schriftsteller Lukas Bärfuss.
Mord und Vertreibung sind nicht kompliziert: Flüchtlinge im Kongo, wo das grösste Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg stattfindet.
Mord und Vertreibung sind nicht kompliziert: Flüchtlinge im Kongo, wo das grösste Massaker seit dem Zweiten Weltkrieg stattfindet.
Lukas Bärfuss, 38, lebt als Schriftsteller in Zürich. Er schreibt Theaterstücke («Die sexuellen Neurosen unserer Eltern», «Der Bus», «Malaga») und Prosa, zuletzt den Roman «Hundert Tage» über die Verstrickung der Schweiz in den Völkermord in Ruanda. Der vorliegende Text ist eine Rede, die Bärfuss am 15. November, dem «Writers-in-Prison-Day», im Literaturhaus Zürich gehalten hat, im Beisein des Journalisten Déo Namujimbo,der über die Ausbeutung des Kongo berichtete und deshalb mit dem Tode bedroht wird. Der «Writers-in-Prison-Day» erinnert alljährlich an Schriftsteller, die wegen ihrer Ansichten oder Schriften verfolgt werden.

Über den Begriff «Freiheit» nachzudenken, dazu öffentlich und in Gegenwart eines Autors wie Déo Namujimbo, der in seiner Heimat Kongo verfolgt und mit dem Tod bedroht wird, muss einen Schweizer Schriftsteller in Verlegenheit stürzen, und das hat einen bestimmten Grund.
Vor zwanzig Jahren befand sich Friedrich Dürrenmatt in einer vergleichbaren Situation, als er seine berühmteste Rede hielt, die Rede zur Verleihung des Gottlieb-Duttweiler-Preises an den tschechischen Schriftsteller und Staatspräsidenten Vaclav Havel. Bei jener Gelegenheit formulierte Dürrenmatt eine Metapher, die die Diskussion über Freiheit...

Freitag, November 12, 2010

Peak Oil liegt hinter uns

TELEPOLIS


Peak Oil liegt hinter uns

Craig Morris 11.11.2010

Jetzt ist es wohl offiziell - die Internationale Energieagentur (IEA) hat selbst zugegeben, dass die Förderung höchstens für einige Jahre stabil bleiben kann, bevor sie endgültig abrutscht

Vor wenigen Jahren war Peak Oil ein Thema für Skeptiker und Außenseiter. Auch wenn einige wenige prominente Insider die Alarmglocken mit geläutet haben (z.B. Matthew Simmons, s. Peak oil: Steigende Preise, sinkende Förderung (1)) , behaupteten BP, die IEA, und andere Industrieorganisationen immer brav und beruhigend, der Peak komme wohl erst in ein paar Jahrzehnten. Zum Beispiel meinte (2) die IEA erst 2009, dass Peak Oil frühestens 2020 erreicht werde.

Am Dienstag schlug die IEA im World Energy Outlook 2010 (3) jedoch überraschend einen neuen Ton an. Nun spricht die Organisation nicht nur offen von Peak Oil (die IEA nahm bisher den Begriff ungern in den Mund), sondern liefert gleich eine Grafik mit, die es in sich hat.

Peak-Oil. Grafik: IEA
Man sieht deutlich, dass das Fördervolumen leicht gesunken ist; die Ökonomen würden wohl auf den gesunkenen Verbrauch während der Wirtschaftskrise verweisen. Die Grafik zeigt aber etwas Beunruhigendes: Die Förderung wird offenbar nicht mehr leicht über das Niveau von 2003-2007 steigen, sondern sogar bald steil absinken. Nur wenn "noch nicht entwickelte Felder" bereits jetzt die Arbeit aufnehmen, können wir grob das heutige, leicht abgesunkene Niveau stabil halten - und das nur bis etwa 2015. Dann müssen "noch nicht gefundene Felder" hinzukommen. Sonst haben wir circa eine Generation später vielleicht nur die Hälfte der heutigen Produktion.
Für die Energy Watch Group aus Berlin, die auch seit Jahren vor Peak Oil warnt (4), gehen klare Handlungsempfehlungen aus der IEA-Studie hervor:
Sogar eine Vollversorgung mit Erneuerbaren Energien ist innerhalb weniger Jahrzehnte möglich und insgesamt kostengünstiger als der weitere Verbrauch von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran.
Recht haben sie – allerdings lehnen sich manche Befürworter der erneuerbaren Energien zu weit aus dem Fenster, wenn sie (wie die EWG) andeuten, die Erneuerbaren könnten das Erdöl ersetzen. Richtig ist, dass alle erneuerbaren Strom erzeugen, keinen flüssigen Treibstoff, bis auf die Biomasse, und es darf bezweifelt werden, dass so viel Biotreibstoff nachhaltig produziert werden kann, wie wir jetzt Erdöl verbrauchen. Auch die Atomkraft stellt deswegen keinen Ersatz dar. Es gab einfach keinen Ersatz für Öl als Treibstoff.
Das heißt, dass wir bald mit weniger Heizöl auskommen müssen, aber das geht ja - besser isolierte Gebäude, passive Wärme, Pelletöfen u.ä., und schließlich zur Not Elektroheizungen. Wärme ist nicht das Problem. Aber die Elektromobilität wird anders aussehen als unsere heutigen Autos, die quasi eine unbegrenzte Reichweite haben und innerhalb weniger Minuten vollgetankt werden können. Eine Fahrt von Berlin aus an die Atlantikküste bei Bordeaux mit Zelt und Familie im Kombi wird zunehmend schwierig.
Noch schwieriger wird die Schifffahrt. Und fast unmöglich der Luftverkehr. Dort sind keine Alternativen zum flüssigen, fossilen Treibstoff in Sicht. Machen Sie sich also auf stark steigende Ölpreise zu Ihren Lebzeiten gefasst.

Links

(1) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19966/1.html
(2) http://www.heise.de/tp/blogs/2/146734
(3) http://www.iea.org/w/bookshop/add.aspx?id=422
(4) http://www.energywatchgroup.org/Mitteilungen.26.0.html

Dienstag, November 09, 2010

Chinas skrupellose Jagd auf die Seltenen Erden

Tages Anzeiger Online
Chinas skrupellose Jagd auf die Seltenen Erden
Von Henrik Bork, Guotian.

Wie in China ganze Dörfer und Täler vergiftet werden, damit die Welt an Seltene Erden kommt – die Rohstoffe für iPhones und iPods.

In Südamerika gibt es Kokain, in China gibt es Seltene Erden. Wer nun meint, das eine habe nichts mit dem anderen zu tun, der sollte Guotian besuchen. Das Dorf liegt versteckt in den grünen Bergen der Provinz Guangdong. Mehr als dreihundert Kilometer und eine Reise mit der Zeitmaschine trennen es von der Provinzhauptstadt Guangzhou. Eben noch ein futuristischer Flughafen, Geschäftsleute in massgeschneiderten Anzügen. Hier Bauern mit nackten Beinen im Schlamm ihrer Reisfelder.

Illegale Mine

Doch in Guotian wird nicht nur Reis angebaut. Hier geht es auch ähnlich zu wie in der Hochburg eines kolumbianischen Drogenbarons. Nachts werden Säcke mit Chemikalien angeliefert, die zum Auswaschen des «Stoffs» gebraucht werden. Das fertige Produkt wird von Schmugglern abgeholt und zur Tarnung in harmlose Düngersäcke gestopft. Oberhalb des Dorfes steht ein gut bewachtes Anwesen. Auf seinem blauen Wellblechdach sind Videokameras montiert. Wachhunde schlagen an, finstere Typen sind zu sehen, die nicht aus Guotian stammen, und der Boss steigt in einen Mitsubishi-Jeep und rast davon.

Der Boss betreibt eine illegale Mine für Seltene Erden. Ein Hügel oberhalb des Dorfes, direkt über einem kleinen Stausee gelegen, wird im Tagebau abgetragen. Ohne Genehmigung, ohne Lizenz. Auf rund 20'000 Yuan werden die Produktionskosten für eine Tonne Seltene Erden geschätzt. Verkauft wird die Tonne für mehr als 1 Million Yuan. «Eine einzige solche Mine bringt einen Profit von 3 Millionen Yuan im Monat», schrieb die Zeitung «Nanfang Ribao», rund 400'000 Franken.

Chemikalien im Trinkwasser

Die Weltwirtschaft ist süchtig nach diesen 17 Metallen, deren Namen nur Spezialisten kennen. Dysprosium-Oxid wird fürs iPhone gebraucht. Lanthanum für Hybridmotoren. Thulium für Röntgengeräte. Satelliten, Raketenleitsysteme, Petroleumraffinerien – für alles werden Seltene Erden gebraucht. Seit China, das 97 Prozent des Weltbedarfs fördert, die Ausfuhr eingeschränkt hat, schiessen hier in den Bergen von Guangdong die Preise in die Höhe. Die grösste Mine für Seltene Erden, Bayan Obo, steht in Nordchina, wo mehr als ein Drittel des

Freitag, Oktober 29, 2010

Der gesunde Schlaf ist eine Traumvorstellung

24. Oktober 2010, NZZ am Sonntag
Der gesunde Schlaf ist eine Traumvorstellung
Unser Ideal vom ungestörten Schlaf ist eine Idee, die unserer Natur widerspricht

(ein weiterer Artikel zum Thema Schlaf findet sich hier/ul)
Von Ori Schipper

Wenn uns in der Werbung Matratzen «für einen tiefen, gesunden Schlaf» angepriesen werden, meinen wir, genau zu wissen, was wir uns darunter vorzustellen haben: Der Gerechte schläft täglich 8 Stunden, ungestört und ununterbrochen. Und die anderen schlucken Medikamente, um es ihm gleichzutun – es werden immer mehr, wie die Verkaufsstatistiken von Schlaftabletten belegen.

Aber vielleicht hat diese Epidemie mehr mit unseren kulturell geprägten Vorstellungen eines gesunden Schlafs als mit unserer Natur zu tun. Vielleicht rennen wir einem Idealbild des Schlafens hinterher, das es in der Menschheitsgeschichte nie gegeben hat und das wir deswegen auch mit Medikamentenhilfe nicht erreichen werden.

Seit der Erfindung der Glühbirne vor über hundert Jahren machen wir mit gleissendem elektrischem Licht die Nacht zum Tag. Für unseren Körper, der seine innere Uhr an den verlängerten Tagen – und verkürzten Nächten – ausrichtet, bedeutet die künstliche Beleuchtung eine Herausforderung, der wir offenbar nicht gewachsen sind.

Anderswo auf dieser Welt – bei verschiedenen indigenen Gruppen wie etwa bei den Hirten der Gabra in Kenya oder den Ackerbauern auf Suleleng in Bali – schlafen die Menschen völlig anders, wie die Anthropologinnen....

Donnerstag, Oktober 28, 2010

Club of Rome - Meadows: "Der böse Samurai ist schon tot, ohne es zu merken"

Heise.de 24.04.2009

"Der böse Samurai ist schon tot, ohne es zu merken"

Von Martin Koelling, Tokio

Dennis Meadows, 66, hat 1972 im Auftrag des Club of Rome die Studie „Grenzen des Wachstums“ erstellt, die in 38 Sprachen übersetzt und zig millionenfach verkauft wurde. In seinem Report sagte er voraus, dass die Grenzen des Wachstums in den nächsten 100 Jahren erreicht würden, wenn das Wachstum von Bevölkerung, Industrialisierung und der Umweltverschmutzung anhält. Als Alternative zum Kollaps suggerierte Meadows, dass nachhaltiges Wachstum möglich sei. Für seine Verdienste erhielt Meadows am gestrigen Donnerstag den hoch dotierten Japan-Preis[1] der Stiftung für Wissenschaft und Technik. Vor seiner Preisverleihung nutzte Meadows[2], Professor Emeritus der University of New Hampshire, im Foreign Correspondent's Club of Japan die Gelegenheit, zur aktuellen Wirtschaftskrise und der kommenden Krise nicht nachhaltigen Wachstums Stellung zu beziehen.
Seine These: Wir stehen vor der Herausforderung, zwei historische Krisen auf einmal zu bewältigen. Erstens wird die Phase des Hochwachstums von einer harten und langen Phase des Abbaus von Produktionsüberkapazitäten abgelöst. Zweitens müssen wir gleichzeitig die Gesellschaften auf eine nachhaltige Entwicklung umstellen, wenn wir die Folgen noch einigermaßen kontrollieren wollen. Leicht redigiert zeichnet TR Online seine Rede und seine Antworten auf Journalistenfragen auf.

Die Welt ist weniger nachhaltig als 1972
Ich beneide meinen Freund David Kuhl[3], den anderen Träger des Japan-Preises. In seiner Arbeit kann er Tag für Tag Fortschritt verzeichnen. Für mich gilt das Gegenteil, für mich ist die Geschichte seit 1972 rückwärts gelaufen. Die Welt ist weniger nachhaltig, als sie es damals war. Es ist unbefriedigend, eine theoretisch nachhaltige Gesellschaft aufzuzeigen, wenn du siehst, dass die reale Gesellschaft weiterhin einer falschen Politik folgt. Erst mit der Krise gibt es wieder vermehrt Interesse, und mehr Leute sagen, dass Meadows und seine Leute letztlich doch recht hatten. Aber wie ich gleich....

Donnerstag, Oktober 07, 2010

U.S. Military Orders Less Dependence on Fossil Fuels

New York Times
October 4, 2010
U.S. Military Orders Less Dependence on Fossil Fuels
By ELISABETH ROSENTHAL

With insurgents increasingly attacking the American fuel supply convoys that lumber across the Khyber Pass into Afghanistan, the military is pushing aggressively to develop, test and deploy renewable energy to decrease its need to transport fossil fuels.

Last week, a Marine company from California arrived in the rugged outback of Helmand Province bearing novel equipment: portable solar panels that fold up into boxes; energy-conserving lights; solar tent shields that provide shade and electricity; solar chargers for computers and communications equipment.

The 150 Marines of Company I, Third Battalion, Fifth Marines, will be the first to take renewable technology into a battle zone, where the new equipment will replace diesel and kerosene-based fuels that would ordinarily generate power to run their encampment.

Even as Congress has struggled unsuccessfully to pass an energy bill and many states have put renewable energy on hold because of the recession, the military this year has pushed rapidly forward. After a decade of waging wars....

Donnerstag, September 30, 2010

Frischer Wind im Treibhaus

8. September 2010, Neue Zürcher Zeitung
Frischer Wind im Treibhaus
Neue Untersuchungen relativieren Kritik an der Klimaforschung

Durch eine E-Mail-Affäre und Patzer im IPCC-Bericht ist die Klimaforschung im letzten Jahr in Misskredit geraten. Inzwischen liegen mehrere Untersuchungsberichte vor, die einen nüchternen Blick auf die Vorkommnisse erlauben.
Sven Titz
Der Klimarat IPCC der Vereinten Nationen hat eine unruhige Zeit hinter sich. Im letzten Winter wurden den Wissenschaftern zum Teil Woche für Woche Übertreibungen, Gemauschel oder Fehler vorgeworfen. Es gab zwei Anlässe für die Aufwallungen: Zum einen waren im November 2009 Hunderte vertrauliche E-Mails von Klimaforschern illegal an die Öffentlichkeit gelangt. An den E-Mails entzündete sich eine Debatte über Vorwürfe mangelnder Transparenz. Zum anderen wurden im Winter einige Patzer im 3000 Seiten dicken Sachstandsbericht des Uno-Klimarats von 2007 bekannt. Inzwischen hat sich in beiden Fällen der Pulverdampf um die Anschuldigungen verzogen.

Folgerungen bleiben gültig

Die Vorwürfe der Fehlerhaftigkeit vermochten Klimaforscher zum grossen Teil zu entkräften. Einzelne Fehler oder Ungenauigkeiten sind durchaus passiert. Zu den bekanntesten Missgriffen zählt die unhaltbare Aussage im Sachstandsbericht, bis zum Jahr 2035 würden die Gletscher im Himalaja verschwunden sein. Die wichtigsten Folgerungen des Klimarats behalten aber laut fachlichen Analysen ihre Gültigkeit. Zu diesem Ergebnis kamen zum Beispiel Umweltbehörden in den USA und in den Niederlanden. Praktisch alle Fachleute sind sich einig, dass die Emission von Treibhausgasen zu einer Erwärmung der Erdatmosphäre führt, deren Ausmass aber noch unsicher ist.
Da der Autor des Artikels ein Problem mit der Veröffentlichung auf diesem Blog hat - obwohl der gesamte Text mit Link zum Originalzeitungstext, sowie unter Namensangabe des Autors  veröffentlicht wurde -   lesen Sie bitte den gesamten Artikel auf der Webseite der NZZ:
http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/frischer_wind_im_treibhaus_1.7485418.html
(warum wundert es mich nicht, dass der Autor ein Deutscher ist....????)

Donnerstag, August 19, 2010

Metalle unter Strom

11. August 2010, Neue Zürcher Zeitung
Metalle unter Strom

Wird der Ausbau der Elektromobilität von einem Rohstoffengpass ausgebremst?
Dem Elektroauto soll die Zukunft gehören. Aber wird diese Zukunft auch die Rohstoffe bieten, die das Elektroauto benötigt? Ja, sagen deutsche Forscher, aber wohl nur zu einem höheren Preis.

Leonid Leiva

Die einen geloben es, die anderen verlangen es. Doch bis das Elektroauto in grossem Stil auf die Strasse kommt, werden wohl noch ein paar Jahrzehnte vergehen. Dennoch blickt das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag der deutschen Regierung schon heute mit orakelnden Augen in die Zukunft. Man möchte wissen, ob bis zum Jahr 2050 der Mangel an Reserven wichtiger Rohstoffe einem Ausbau der Elektromobilität im Wege stehen könnte. 2009 legte das ISI bereits eine Vorschau auf die Entwicklung der Lithiumbestände vor. Nun folgt eine Untersuchung zum Edelmetall Kupfer.

Steigender Bedarf

In einem Benzin- oder Dieselauto der Mittelklasse fahren schon heute rund 25 Kilogramm Kupfer mit. Bei Hybridantrieben....

Freitag, Juli 23, 2010

Drohen uns «Klimakriege»?

22. Juli 2010
Neue Zürcher Zeitung
Drohen uns «Klimakriege»?
Verminderte natürliche Ressourcen als mögliche wichtige Quelle von bewaffneten Konflikten

Laut Experten könnten der Klimawandel und seine Folgen eine Rolle bei der Verschärfung internationaler Konflikte spielen. Die Ressourcenknappheit in der Region südlich des Mittelmeers wird sich noch akzentuieren.

Vicken Cheterian

Im Jahr 2003 haben die Autoren eines vom amerikanischen Verteidigungsministerium in Auftrag gegebenen Berichts den Begriff des «Klimakriegs» geprägt. Sie zeigten darin mögliche Szenarien eines abrupten Klimawandels mitsamt den Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der USA auf und sorgten damit für Aufregung. Unter dem Leitgedanken, sich das Undenkbare – einen relativ abrupten Wandel anstelle der zumeist prognostizierten graduellen Klimaveränderung – vorzustellen, zeichneten sie das düstere Bild einer Zukunft, beherrscht von Chaos, Millionen von «Umweltflüchtlingen» und durch die globale Erwärmung verursachten bewaffneten Konflikten. Als ersten «Klimakrieg», dem weitere folgen würden, nannten die Autoren den Konflikt um Darfur. Auch der Uno-Generalsekretär Ban nannte 2007 die Auswirkungen des Klimawandels als eine Ursache der Krise in Darfur.

Gewachsenes Interesse

In den letzten Jahren hat sich eine Vielzahl von Gremien und Berichten mit der Frage nach dem Klimawandel als einer wichtigen Ursache von Konflikten im 21. Jahrhundert befasst. Im vergangenen September verabschiedete die Uno-Generalversammlung eine Resolution.....

Mittwoch, Juli 14, 2010

Dienstag, Juni 29, 2010

«Gehegte und gepflegte Schuld ist ein Hobby der Unschuldigen»

«Gehegte und gepflegte Schuld ist ein Hobby der Unschuldigen»
Von Simone Meier.

Der Psychoanalytiker Peter Schneider äussert sich zu Fragen von Schuld, Schuldnern und der grossen europäischen Schuldenfalle und erklärt den «Sündenstolz» der Schweiz.

Die Welt scheint im Schuldenkoma zu liegen: Griechenland ist pleite, Deutschland muss 80 Milliarden sparen, und auf den Privatsendern läuft nichts so gut wie Doku-Soaps über Schuldnerberatung. Sind die Menschen – und die Staaten – nicht mehr fähig, finanzielle Verantwortung zu übernehmen?
DIE Menschen? Ich glaube, ich kriege eine Subprime-Krise bei so viel Verantwortungs-Verallgemeinerung. Ich zahle regelmässig meine Rechnungen zum Monatsende, stehe leider bei keiner Bank hypothekarisch in der Kreide, zahle pünktlich nicht gerade wenig Steuern – in welche allgemeinmenschliche finanzielle Verantwortung für welche finanziellen Miseren soll ich mich da nehmen lassen?

Deshalb sind Sie ja auch in der Schweiz so wohl gelitten . . .
Genau. Täglich bekomme ich Hunderte von aufmunternden Rechnungen von Mitmenschen, die meine spontane und zugängliche Art in finanziellen Dingen zu schätzen wissen – viele davon mit einem Mut machenden «Weiter so!» versehen.

Aber wenn sich doch der Einzelne im Kleinen so korrekt wie irgendwie möglich verhält, wie kann dann so ein grosser Staatstanker.....

Donnerstag, Juni 24, 2010

Im Wunderland – wir haben eine kognitive Grenze überschritten

23. Juni 2010
NZZ Online
Im Wunderland – wir haben eine kognitive Grenze überschritten
Die Medien sind voller Berichte zur Finanzkrise – die Analysen türmen sich, die Rettungsvorschläge jagen sich. Doch die Experten täuschen ein Verständnis vor, das sie nicht mehr haben. Ihr Versagen ist Symptom einer tieferen Ursache: Unsere Welt ist zu komplex geworden, als dass wir sie noch durchschauen könnten.

Von Rolf Dobelli

In «Alice im Wunderland» taucht die Titelheldin in eine Welt ein, wo die Kaninchen riesig sind, die Uhren rückwärts laufen und die Leute wie Spielkarten aussehen. Es ist eine Welt voller Paradoxa und Absurditäten, die Alice nicht mehr versteht. Wir leben zwar nicht im Wunderland, doch so ähnlich fühlt es sich an, denn wir haben eine kognitive Grenze überschritten. Es ist an der Zeit, dies auszusprechen und die Schlüsse daraus zu ziehen.

Die Medien sind voller Kommentare zur Finanzkrise. Analyse türmt sich auf Analyse, Rettungsvorschlag auf Rettungsvorschlag. Doch die Experten täuschen ein Verständnis vor, das nicht da ist. Es gibt rund eine Million ausgebildeter Ökonomen auf diesem Planeten. Kein einziger hat das Timing der Finanzkrise exakt vorausgesagt, geschweige denn, wie die Sequenz vom Platzen der Immobilienblase über den Zerfall der Credit-Default-Swaps bis hin zur ausgewachsenen.....

Mittwoch, April 14, 2010

Russland: Alles haben, ohne irgendetwas zu tun

Alles haben, ohne irgendetwas zu tun
Von Natalja Kljutscharjowa.

Der Materialismus zerstört Russlands Wesen. Einfacher Wohlstand ist nicht mehr erstrebenswert, alle wollen den märchenhaften, irrealen Reichtum wie Oligarchen und Popstars. Eine Russin erzählt.

Natalja Kljutscharjowa wurde 1981 in Perm (West-Ural) geboren. Sie studierte an der Pädagogischen Hochschule von Jaroslawl und arbeitete als Nachrichtenredaktorin am russischen Fernsehen. Derzeit ist sie Mitarbeiterin der Moskauer Zeitschrift «Erster September». 2006 erschienen ihr erster Gedichtband und ihr Roman «Endstation Russland», der bei Suhrkamp auf Deutsch erhältlich ist (187 S., ca. 18 Fr.). Unser Text ist die stark gekürzte Fassung eines Vortrags, den sie auf der Leipziger Buchmesse für das Autorenspecial des Literarischen Colloquiums Berlin gehalten hat. Er wird vollständig in der Zeitschrift «Sprache im technischen Zeitalter» erscheinen.

Alle wichtigen Ideen, die das nationale Bewusstsein und den Gang der Geschichte in unserem Land bestimmt haben, hat Russland von aussen übernommen. Doch einmal auf russischen Boden gelangt, verloren die philosophischen Konzeptionen den Charakter abstrakter Ideen und wurden (von den Führern, der Intelligenz oder dem ganzen Volk) als direkte Anleitung zum Handeln begriffen. Darin liegt etwas Religiöses, selbst wenn diese Ideen an sich antireligiös waren, wie der Marxismus......


Alles haben, ohne irgendetwas zu tun
Von Natalja Kljutscharjowa.


Der Materialismus zerstört Russlands Wesen. Einfacher Wohlstand ist nicht mehr erstrebenswert, alle wollen den märchenhaften, irrealen Reichtum wie Oligarchen und Popstars. Eine Russin erzählt.

Alle wichtigen Ideen, die das nationale Bewusstsein und den Gang der Geschichte in unserem Land bestimmt haben, hat Russland von aussen übernommen. Doch einmal auf russischen Boden gelangt, verloren die philosophischen Konzeptionen den Charakter abstrakter Ideen und wurden (von den Führern, der Intelligenz oder dem ganzen Volk) als direkte Anleitung zum Handeln begriffen. Darin liegt etwas Religiöses, selbst wenn diese Ideen an sich antireligiös waren, wie der Marxismus.

Materieller Wohlstand als Idol

Die letzte Idee, die wir nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vom Westen übernommen haben, ist die Konsum-«Philosophie», die den materiellen Wohlstand zu einem unumstösslichen Wert des Seins erklärt. Auf russischen Boden gelangt, wurde diese Idee sofort zum Idol, verwandelte sich vom eigentlich normalen menschlichen Wunsch nach einem Leben in Komfort in einen Kult des Geldes, des Reichtums und des schnellen Profits.

Für die meisten Menschen im heutigen Russland bemisst sich der Sinn des Lebens in Dollar. Im Westen, scheint mir, ist die Konsumgesellschaft aus der protestantischen Ethik der Arbeit hervorgegangen, wo Verdienst und Arbeit in unmittelbarem Bezug zueinander stehen. In Russland dagegen traf die Ideologie des materiellen Wohlstands auf die in der Sowjetgesellschaft entstandene Abneigung gegen jegliche Arbeit, ja, deren Verachtung.

Verblendet von der Gier

Der Geisteszustand der postsowjetischen Gesellschaft lässt sich mit dem unübersetzbaren Ausdruck «chaljawa» definieren, was so viel heisst wie «alles haben, ohne irgendetwas zu tun». Die Helden des Massenbewusstseins sind Oligarchen und Diebe, die sich nur durch das Ausmass ihres Diebstahls voneinander unterscheiden. Fernsehen, Werbung, Popmusik und Boulevardpresse (für die überwiegende Mehrheit die einzige Lektüre) hypnotisieren das Bewusstsein rund um die Uhr mit Beispielen schicken Lebens. Die Massenmedien reichen überall hin, darum sind die Menschen überall verblendet von der Gier nach Reichtum – in Moskau ebenso wie im entlegensten Dorf.

Die Eltern vermitteln ihren Kindern keinerlei andere Werte mehr. Nach der Schule wollen fast alle Volks- oder Betriebswirt werden. Letztes Jahr gab das Bildungsministerium sogar eine offizielle Erklärung heraus: Besinnt euch, so viele Manager braucht das Land nicht! Doch das hat nicht geholfen.

Auf den Arbeitsmarkt drängen jedes Jahr Armeen geldgieriger junger Menschen mit grossem Appetit, gigantischer Faulheit und minimalen moralischen Hemmungen.

Eine Vielzahl bezahlter Nichtstuer

Relativ lange, fast zehn Jahre lang, passte sich die Wirtschaft – vermutlich dank Öl und Gas – dieser Lawine an. Und Menschen in der vollen Blüte ihrer geistigen und körperlichen Kräfte bekamen Geld dafür, dass sie tagelang in Büros herumsassen, Computerspiele spielten, in Chatrooms mit gleichgesinnten «Schwerarbeitern» plauderten und nur hin und wieder mal einen Bericht verfassten, um den Anschein von Arbeit zu erwecken. Real gearbeitet, also Häuser gebaut, die Strassen gekehrt usw., haben, so schien es, in dieser Zeit nur illegale Migranten aus den ehemaligen Sowjetrepubliken, die am helllichten Tag auf offener Strasse von Neonazis erschlagen wurden. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Krise hat also vor allem das Kartenhaus des Büro-Müssiggangs einstürzen lassen. Ich finde, das war nützlich. Nicht nur, weil eine Vielzahl bezahlter Nichtstuer eine Art Krebsgeschwür der Wirtschaft sind.

Die Überproduktion von Managern hat noch einen weiteren Aspekt. Wer sein Leben nach dem Diktat gesellschaftlicher Klischees und Moden ausrichtet (der Managerberuf ist heutzutage Mode, im Gegensatz zum Arzt- oder Lehrerberuf), büsst die Fähigkeit zu selbstständigem Denken ein. Der übernimmt, ohne zu überlegen, eine von aussen aufgezwungene Lebensstrategie, ob sie ihm gefällt oder nicht, ob er für diese Tätigkeit geeignet ist oder nicht.

Wichtig ist nur eines: Geld zu verdienen

Etwas zu tun, was man liebt, Nutzen zu bringen, sein Talent zu realisieren, Freude und Befriedigung bei der Arbeit zu empfinden – das alles sind für die meisten meiner Landsleute altmodische Anachronismen. Das alles ist unwichtig. Wichtig ist nur eines: Geld zu verdienen.

Jede Idee, zum Absoluten erklärt, wird zum Gift, das sowohl die Menschheit wie auch jeden einzelnen Menschen vergiftet. Und die Konsumidee ist da keine Ausnahme.

Das russische Bewusstsein ist von seinem Wesen her radikal und utopisch. Darum streben die Menschen bei uns nicht einfach nach Wohlstand, sondern nach märchenhaftem, irrealem Reichtum. Das ist das Bild des Glücks, das die Massenmedien vermitteln. Die Regenbogenpresse wetteifert in der Beschreibung der Häuser von Popstars mit goldenen Klos und speziellen Autolifts, eigens dafür gedacht, dass man mit dem Auto bis ans Bett fahren kann.

Wer nicht über die unermesslichen Schätze verfügt, die für das Glück unabdingbar sind, fühlt sich natürlich unglücklich. Obwohl es der Mehrheit bei uns, wie gesagt, heute weit besser geht als früher. Doch das reicht den Menschen nicht. Die Werbung weckt unersättliche Gier, zieht die Menschen in die üble Unendlichkeit des Konsums.

Ein ungesundes Klima als Resultat

Das alles schafft ein ungesundes psychologisches Klima. Die Passanten auf der Strasse sind aggressiv, unfreundlich, düster, stets auf Konflikt aus. Zurückzustecken, wenn es irgendwie um Geld geht, und sei es eine noch so lächerliche Summe, ist absolut ausgeschlossen.

Ich werde nie vergessen, wie eine dicke, vor Sattheit strotzende Schaffnerin in einem Überlandbus eine alte Frau, die um eine kostenlose Fahrt zum Krankenhaus bat, mit saftigen obszönen Flüchen beschimpfte. Eine Fahrkarte kostete 20 Rubel (70 Rappen). Doch die Frau glaubte allen Ernstes, dass der erträumte Palast mit den goldenen Kloschüsseln in noch weitere Ferne rücken würde, wenn sie jetzt Barmherzigkeit zeigte. Die ganze Fahrt über schrie sie, als ginge es um Leben und Tod.

Dabei leben alte Menschen in Russland, besonders auf dem Land, in der Regel unterhalb der Armutsgrenze. Der Staat zahlt ihnen so geringe Renten, dass es nicht einmal für das Lebensnotwendigste reicht. Und für die Grossmutter, die um eine kostenlose Fahrt zum Krankenhaus bat, waren 20 Rubel eine unerschwingliche Summe.

Reichtum statt Barmherzigkeit

Dass der Staat so etwas zulässt, ist leider nicht neu. Doch eigentlich war das Volk in Russland immer barmherziger als der Staat. Heute aber droht der Kult des Reichtums in den Herzen der Menschen die Barmherzigkeit zu übertönen, die sie selbst während des stalinschen Terrors bewahrt hatten.

Ich lebe in einem Dorf bei Moskau. Laut Gesetz müssen die Fahrer von Minibussen alte Menschen zum halben Preis befördern. Um sich davor zu drücken und 10 Rubel zu sparen (35 Rappen), haben alle Fahrer die unterste Einstiegsstufe abgebrochen, und nun können nur noch junge, gesunde Menschen den Bus benutzen, denen man keinen Preisnachlass gewähren muss.

In Moskau arbeitet die Ärztin Jelisaweta Glinka, Doktor Lisa, wie sie genannt wird. Sie fährt jede Woche auf den Bahnhof, um Obdachlose medizinisch zu versorgen. Anders als in Europa ist das Sozialsystem in Russland erst in einem embryonalen Zustand. Möglich, dass Obdachlosen laut Gesetz eine medizinische Versorgung zusteht, real aber ist es für diese Menschen unmöglich, in ein Krankenhaus zu kommen. Also geht Doktor Lisa zu ihnen, um zu helfen. Freiwillig. Weil sie nicht anders kann.

Oligarchen wecken keinen Hass

Und dafür trifft sie ungebremster Hass. Natürlich nicht vonseiten der Obdachlosen. Sondern vonseiten gutsituierter Bürger, die in der Zeitung von Doktor Lisa lesen und ihre Ruhe einbüssen. Weil ihnen hier ein ganz anderes Verhaltensmodell gezeigt wird, eines, das nicht auf Nehmen gerichtet ist, sondern auf Geben. Und das ist für viele eine unerhörte Provokation, gegen die sie sich mit aller Kraft schützen, bewahren wollen. Doktor Lisa bekommt jeden Tag anonyme SMS mit Drohungen und Beschimpfungen. Obwohl sie ihr Verhalten nicht propagiert, niemandem Vorwürfe macht, nicht dazu aufruft, ihr zu folgen, sondern einfach nur tut, was sie tut.

Oligarchen hingegen, von denen jeder Dorftrunkenbold weiss, dass sie ihren Reichtum auf unredliche Weise erworben haben, wecken bei niemandem Hass. Sie werden bewundert, bestaunt, ja, sogar verehrt. Der Kult des Geldes verwischt die Hierarchie der moralischen Werte, Reichtum macht den Menschen zum unantastbaren Himmelsbewohner, für den allgemeine Normen von Recht und Gewissen nicht gelten.

Kaum jemand in Russland fühlt sich verantwortlich für das, was im Land vorgeht. Schuld sind immer andere: die Regierung, die Abgeordneten, die Amerikaner, die illegalen Migranten, die Nachbarn, die eigene Familie. Im Massenbewusstsein wirkt noch immer die von der sowjetischen Ideologie in Gang gesetzte Mechanik der Suche nach einem äusseren Feind fort. Es fehlt die Erkenntnis, dass man selbst versuchen kann, eine Situation, die einem nicht gefällt, zu ändern. Andererseits ist in Russland alles auf die Unterdrückung privater Initiativen gerichtet. Deshalb geben selbst die wenigen, die aus eigener Kraft etwas unternehmen wollen, oft auf.

Jede Einmischung bleibt nutzlos

Anders als in Europa hat die Presse in Russland keinerlei Einfluss auf das gesellschaftliche Leben. Ein Beamter, der in der Zeitung kritisiert wird, tut trotzdem seelenruhig weiter das, wofür er kritisiert wurde. Darum können Journalisten die Vernichtung privater Initiativen lediglich konstatieren, sie aber nicht stoppen. Auch direkte Einmischung bleibt nutzlos: offizielle Anfragen, Proteste, Briefe an den Präsidenten mit Hunderten oder Tausenden Unterschriften. Sämtliche europäischen Mechanismen der Einflussnahme der Zivilgesellschaft auf den Staat sind in Russland wirkungslos.

Die Krise der Verantwortung, von der ich bereits sprach, betrifft natürlich auch die Staatsmacht. Menschen, die in die führende Klasse hinauf streben, begreifen die Macht als Freipass, als ein «Alles ist erlaubt», als einen Garant für Ruhm und unbegrenzten Zugang zu Finanzströmen.

Nehmen wir einen Teilaspekt. Das Verhältnis zu den nationalen Ressourcen. Es ist ganz offensichtlich, dass parallel zur Ausbeute die Erforschung neuer Lagerstätten erfolgen muss. Doch laut Aussagen von Geologen aus meinem Freundeskreis wird schon seit einigen Jahren in Russland nur ausgebeutet. Das einzige Unternehmen, das auch geologische Erkundungen betrieb, war Michail Chodorkowskis Jukos. Es hat den Anschein, als wollten alle übrigen einfach nicht lange in diesem Land bleiben, weshalb es sie kein bisschen kümmert, was wird, wenn die jetzigen Lagerstätten erschöpft sind. Hauptsache, für sie reicht es. (Tages-Anzeiger)